Wie Viel "Low Carb" Ist "No Carb"?

Ich nehme heute einmal einen Artikel von Dr. Strunz als Anlass für den Artikel. Es geht um die Bezeichnungen "low carb" und "no carb".

Diese Begriffe sind hart umkämpft. Es gibt im Bereich der kohlenhydratreduzierten Ernährung immer wieder Menschen, die es sehr genau nehmen. Auch ich habe schon solche Kommentare erlebt, wenn nämlich bei Rezepten pauschal gesagt wurde "Ananas ist nicht low carb". Das erweckt dann beim Leser den Eindruck, ein Lebensmittel sei per se von einer bestimmten Ernährungsweise disqualifiziert, komplett unabhängig von der verzehrten Menge.

Wann ist eine Ernährung nun no carb, wann ist sie low carb und wann ist sie "normal"?


Low Carb oder No Carb? Fließende Grenzen!


Low Carb No Carb
image courtesy of Ambro / freedigitalphotos.net

Es ist unsinnig, sich über feste Grenzen zu unterhalten. Interessant in dem Artikel von Dr. Strunz ist allerdings, dass er die Qualität der Kohlenhydrate (also die Beschaffenheit) in den Vordergrund stellt. Kohlenhydrate in natürlicher Form sind "von der Natur verpackt", also geschickt in teils schwer verdauliche pflanzliche Strukturen eingebettet. Oft gibt es Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien gratis dazu.

Anders hingegen fein raffinierte künstliche Lebensmittel wie Nudeln. Die Verdauung setzt hier sehr schnell ein und der Blutzucker schwankt entsprechend besonders stark.

Trotzdem natürlich nochmals die Frage, ob man Grenzen zwischen no carb, low carb und normaler Ernährung ziehen kann. Es gibt gewisse Grenzen, die relativ oft genannt werden und somit in gewisser Weise "ungeschriebene Leitsätze" sind. Beispielsweise sind 30 Gramm Kohlenhydrate am Tag eine der niedrigsten Grenzen, die noch relativ oft in Büchern oder im Internet als Empfehlung gegeben werden. Manche sind da mit 50 oder 100 Gramm pro Tag toleranter, aber zumindest kann man sicher sagen, dass 30 Gramm Kohlenhydrate am Tag definitiv legitim low carb sind. Für no carb wären das aber zu viele im allgemeinen Sprachgebrauch.

Die aus meiner Sicht dominante Meinung zu no carb ist, dass Kohlenhydrate so stark vermieden werden, dass man im Prinzip keine Kohlenhydrate anhand der Nährwertangaben zusammenzählen kann. So liefern Fleisch und Fisch in der Regel "0 Gramm Kohlenhydrate", und was Salz- und Gewürzstreuer liefern, ist von der Menge her nicht erwähnenswert, ebenso minimale Gemüsebeilagen wie einzelne grüne Blätter. Würde jemand beispielsweise nur Fleisch, Olivenöl und Wasser konsumieren, dann wäre das no carb, sofern ein no carb überhaupt durchführbar ist.

Die absoluten Puristen behaupten sogar, ein no carb gäbe es gar nicht, weil ja selbst in Fleisch noch Spuren von Kohlenhydraten vorhanden seien, sozusagen <0,1 Gramm oder ähnliches. Das halte ich aber für Haarspalterei, denn zum Einen würde das den Begriff no carb überflüssig und unpraktisch für unsere Zwecke machen, und zum Anderen kann man 0,1 Gramm Kohlenhydrate bereits verbrennen, wenn man einmal in der Küche in die Luft springt, sich Gedanken über "no carb" und "low carb" macht oder sich 10 Sekunden über Politik aufregt.

Eine der wenigen wirklich messbaren Methoden, wie man die richtige Menge an Kohlenhydraten bei sich selbst feststellen kann, ist die Messung der Ketonkörper im Urin. Ich habe bisher noch keine solchen Messungen gemacht und kenne auch aktuell keine Produkte dazu, habe jedoch gelesen, dass diese Ketonkörper eher in der Übergangsphase, also am Beginn der Ernährungsumstellung, messbar sind. Angeblich sei diese Messung später dann, wenn man bereits kohlenhydratreduziert lebt, nicht mehr so aussagekräftig.

Ebenfalls sinnvoll sind Überlegungen dazu, warum und wie sehr man überhaupt auf Kohlenhydrate verzichtet. Hier einige Gedanken:


  • Auch zu viel Eiweiß kann zu Kohlenhydraten werden
  • Gemüse ist anders zu bewerten als industriell hergestellte Kohlenhydratträger
  • Auch no carb bringt keinen Gewichtsverlust, wenn deutlich zu viel Energie konsumiert wird
  • Vitamine, Ballaststoffe und Mineralstoffe kommen in den allermeisten Fällen in Begleitung einiger Kohlenhydrate (Obst, Gemüse, auch Ballaststoffbomben wie Kleie)
  • Ein paar Gramm Kohlenhydrate durch Bohnen oder Weißkohl können dabei helfen, der Seele die schlechte Laune zu nehmen (Stichwort Serotonin)
  • Kompletter Verzicht auf Kohlenhydrate ohne wenn und aber kann aber ein guter Start in eine Diät sein (zum Beispiel für die erste Woche)
Ich bin dafür, dass wir bei den Begriffen "low carb" und "no carb" nicht zu sehr in Rechthaberei verfallen, denn letztendlich ist es wie beim Kalorienbedarf. Jeder Mensch ist individuell und die Menge an Kohlenhydraten, die die richtige ist, kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.

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