Buchtipp: Nimmersatt?

Hier mein Buchtipp, der sicherlich passend kommt, denn wir haben jetzt schon Dezember, und damit steht die große Welle der Abnehm-Vorsätze in einem Monat wieder ins Haus.

Mein Buchtipp heißt "Nimmersatt?" und wurde von dem amerikanischen Endokrinologen Dr. David Ludwig geschrieben. Endoktrinologie ist übrigens die Lehre von Drüsen und Hormonen, also haben wir es hier mit jemandem zu tun, der die Wechselbeziehungen zwischen Insulin, Wachstumshormon und anderen sehr gut kennt.


Nimmersatt?



Das Buch habe ich innerhalb der letzten Monate entdeckt, da ich mich wieder intensiv damit auseinander setze, wie man trotz Nahrungszufuhr abnehmen kann. Meine Ausflüge in den Bereich des Fastens hatten bei mir zwar kurzfristige Erfolge herbeigeführt, jedoch auch viel wuchernden Appetit gebracht. Also musste ich wieder zurück zu einer Ernährung, die Sättigung verschafft.

Das Buch "Nimmersatt?" geht thematisch in eine ähnliche Richtung wie mein persönlicher Liebling, der mein Leben veränderte, nämlich "die neue Diät" von Strunz. Es gibt deutliche Parallelen, zum Einen der deutliche Hang zu low carb, zum anderen die Eingewöhnung auf drei Hauptmahlzeiten, was wiederum zu den erfolgbringenden Pausen zwischen den Mahlzeiten führt. Ebenfalls sehr ähnlich zu der Strategie von Dr. Strunz ist die Einteilung der empfohlenen Diät in drei Phasen, wovon eine sehr wenige Kohlenhydrate hat, eine zweite eher gemäßigte Mengen und die dritte höhere Mengen, die Eigenverantwortung des Nutzers fordern.

Dass Dr. Ludwig das Rad nicht neu erfindet, ist ihm klar, und er ordnet seine drei Phasen in einem Diagramm verschiedener Diätformen ein, so dass er im Koordinatensystem zwischen Fettverzehr und Proteinkonsum in Phase 1 eine gewisse Nähe zur Atkins-Diät hat, in Phase 2 nahe South Beach ist und in Phase 3 nahe am US-Durchschnitt der Ernährung (in Bezug auf Eiweiß und Fett).

Einige interessante Erkenntnisse zur Darmgesundheit liefert der Doktor ebenfalls, was uns sicher an "Darm mit Charme" erinnern dürfte. Hier sticht zum Beispiel das Experiment mit Mäusen hervor. Die Mäuse waren keimfrei aufgewachsen und bekamen dann Stuhltransplantate von menschlichen Zwillingen. Die Zwillinge wurden jedoch danach ausgewählt, dass sie unterschiedliches Gewicht hatten. Die Mäuse, die vom dickeren Zwilling Darmbakterien bekamen, wurden selbst dicker. Die anderen blieben schlank. Als beide Gruppen zusammengemischt wurden, stellte sich ein Schutzeffekt ein, da die positiven Darmbakterien des "Schlanken" auch auf die dickeren Mäuse übergriffen, so dass der Gewichtszuwachs unterbunden wurde. Daran sieht man, dass die Darmflora für das Abnehmen wichtig ist und gut gepflegt werden muss.

Dr. Ludwig erklärt in seinem Buch ebenfalls, dass Gewichtsverlust nur Teil des Erfolgs ist, so kann der Taillenumfang deutlich sinken, bevor das Gewicht mitzieht. Ebenso wird darauf eingegangen, dass der Set Point, also ein vom Körper bevorzugter Gewichtsbereich, durch die Diät nach unten korrigiert werden kann, ohne dass es später zum Jojo-Effekt kommt.

Es gibt einen sehr ausgiebigen Rezeptteil, der einerseits gute Basisrezepte liefert, andererseits auch entsprechend Phase 2 und 3 aufgestockt werden kann, wenn mehr Kohlenhydrate erlaubt sind. Es gibt sogar Tipps, was man im Restaurant bestellen soll, wenn man mal indisch, mal mexikanisch oder mal chinesisch essen geht. Auf diese Weise hat man auch Möglichkeiten, am sozialen Leben teilnzunehmen, ohne komplett absagen zu müssen. Und dass im Anhang noch Lebensmittel nach glykämischer Last sortiert sind, ist sicherlich auch nicht schlecht.


Kaufgründe für "Nimmersatt?"



Obwohl das Buch wenig Neues bringt (zumindest für Fortgeschrittene und Experten), sind gute Ansätze, viel Motivation und ein komplettes Gesamtkonzept vorhanden, dem man blind folgen kann.

Die Ernährungsstrategie scheint insgesamt etwas toleranter zu sein als die teils etwas strengeren Regeln bei Dr. Strunz, so dass Kohlenhydrate zwar stark reduziert werden, auf Dauer aber nicht komplett fehlen sollen. Vor allem die Herkunft der Kohlenhydrate wird akzentuiert: Natürliche Kohlenhydrate ja, verarbeitete, leere, industrielle Kohlenhydrate nein.

Am wichtigsten bei dem Konzept ist dabei der "Waffenstillstand mit den Fettzellen". Besser hätte man es gar nicht ausdrücken können. Während sich Kalorienzähler ganz allein auf die Menge und Energie des Essens konzentrieren, ist bei "Nimmersatt?" der Fokus auf der Sättigung. Klar, auf lange Sicht muss man auch darauf achten, dass man nur zur angenehmen Sättigung isst, und sicher spielen Kalorien irgendwann tatsächlich eine Rolle, jedoch muss man zunächst einmal lernen, ein angenehmes Gefühl von Satt-Sein zu erreichen, ohne dass man sich quält. Ich hoffe, dass alle Leser diesen wichtigen Punkt verinnerlichen, denn Abnehmen braucht Zufriedenheit, und die bekommt man durch gute Ernährung, die langfristig funktioniert. Und da ist Fett besser und wichtiger, als man denkt.

"Nimmersatt?: Warum wir Fett brauchen, um schlank zu werden", gibt es bei Amazon.

Sicher eine gute Investition, um nach Weihnachten gut dazustehen.

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