Das Spannungsfeld Zwischen Hunger, Appetit Und Gewichtsverlust

Egal, wie sehr ich mich auch mit den unterschiedlichen Abnehmmethoden - Low Carb, Fasten, Ballaststoffe - beschäftige, irgendwie scheint es, als ob bestimmte Gesetzmäßigkeiten in Stein gemeißelt sind.

Ich bin überhaupt kein Fan von Kalorienrechnerei, denn Kalorien sind definitiv nicht alles, teilweise sind sie sogar irreführend. Aber einen Hauch von Wahrheit scheint es immer noch zu geben. Denn selbst bei der gesündesten Lebensweise nehme ich nur ab, wenn ich mich zumindest ein Bisschen bi der Nahrungsaufnahme einschränke. Hierin liegt das Spannungsfeld zwischen Hunger, Appetit und Gewichtsverlust.


Abnehmen ist immer ein Kompromiss


Heidelbeeren
So ganz einfach ist abnehmen nie

Natürlich gibt es einfachere und weniger einfache Wege, um abzunehmen. Eine komplette Nulldiät für eine Woche habe ich schon einmal hinter mich gebracht. Das ist kurzfristig sehr effektiv, trotzdem würde ich einen leichteren Weg wählen.

Letztendlich sehe ich immer wieder, dass es ein Spannungsfeld gibt. Man kann sich, so meine Erfahrung, nicht gleichzeitig jeden Tag satt essen (Hunger), seine kulinarischen Gelüste befriedigen (Appetit) und gleichzeitig nennenswerte Erfolge (Gewichtsverlust) erzielen.

Ich brösele das mal etwas auf:


Hunger



Erstaunlicherweise ist Hunger relativ leicht in den Griff zu bekommen. Alles, was man dafür tun muss, ist, den Magen zu füllen. Das kann man entweder mit sehr kalorienarmen und dafür voluminösen Speisen machen (Gemüse, große Salate), oder durch viel Wasser und viele Ballaststoffe. Das klappt kurzzeitig ganz gut. Auch Fasten ist eine Option, denn das Hungerhormon Ghrelin wird mit der Zeit schwächer.

Wenn man den Hunger auf diese Weise in den Griff bekommt, klappt es auch mit dem Gewichtsverlust. Aber der Appetit - man könnte auch sagen "das Genussempfinden" - stört nach einer Weile gewaltig. Wenn man sich nur noch "logisch" und "rational" ernährt, kann es vorkommen, dass man einfach eine überwältigende Lust auf Schokolade, Eis, Pizza oder Pasta bekommt. Und wenn die Psyche dann über den Körper gewinnt, sind die Erfolge plötzlich in Gefahr.


Appetit



Natürlich ist es auch möglich, dass Genussempfinden zu befriedigen. Das kann dann jedoch zu Lasten des Hungers (klingt paradox) oder des Gewichtsverlusts gehen.

Das mit dem Gewichtsverlust sollte einleuchtend sein. Wenn ich immer der Lust nach Leckerem nachgebe, esse ich irgendwann die Sachen, die mich dick statt schlank machen.

Doch auch gegenüber dem Hunger kann es Probleme geben. Beispiele hierfür liefern die Kalorienzähler. Viele Menschen zählen ja wirklich nur Kalorien, und wenn dann ein Keks, bestehend aus vielen Kohlenhydraten, weniger "Kalorien" hat als eine handvoll Nüsse, dann isst man eben gerne die leckeren Kekse. Doch die machen nicht wirklich satt, das heißt, sie stillen nicht den Hunger, und von da an hat man die Qual der Wahl: Hungern, weil die Kaloriengrenze erreicht ist, oder nachgeben, und den Gewichtsverlust gefährden.


Gewichtsverlust



Der Gewichtsverlust steht bei vielen Menschen im Vordergrund, aber eben nur so lange, bis körperliche oder seelische "Forderungen" sich in den Weg stellen. Selbst die löblichsten Vorsätze verschwinden dann schnell im Hintergrund.

Ich habe es bei meiner 7-Tage-Nulldiät erlebt. Die 7 Tage waren eine ganz schöne Qual, lieferten aber den größten Erfolg, den man innerhalb so kurzer Zeit erleben kann. Doch danach ging das Gewicht wieder hoch. Das war kein Jojo-Effekt im klassischen Sinn, sondern ein psychologischer Selbstbetrug meinerseits. Denn nach den 7 Tagen hatte ich mir quasi ein "Guthaben" an verlorenen Kilos erworben. Ich hatte ja so viel Gewicht verloren, dass ich damit ruhig mal eine oder zwei Wochen "normal" essen konnte - so war zumindest meine Logik. Ich habe dann dieses gedankliche Guthaben immer weiter ausgereizt, auch wenn es gar nicht mehr gerechtfertigt war, weiterhin nach Lust und Laune zu essen.

Ich merke immer wieder: Je stärker die Anstrengung und der Erfolg beim Abnehmen ist, umso mehr muss man um die Balance zwischen Hunger, Appetit und Gewichtsverlust kämpfen.

Langsamer abzunehmen kann hilfreich sein, wenn man sich selbst weniger Druck aussetzt. Wenn es schnell gehen muss, ist auch das in Ordnung, man muss aber aufpassen, dass man ein langfristiges Ernährungskonzept verfolgt, welches keine absoluten Verbote kennt und gut und vernünftig mit ungesunden (aber leckeren!) Lebensmitteln zurecht kommt.

Und eines bleibt immer: Abnehmen ist eben ein Kompromiss, und Gewichtsverlust ist immer ein Zeichen an den Körper, dass Ressourcen aufgebraucht werden müssen. Wir wissen ja, wie unser urzeitlicher Körper das wieder ausgleichen will.

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