Revolution: 5,5 Kilo In 2 Wochen Mit Fasten!

Mein Wissen über Diäten und Abnehmen ändert sich mal wieder komplett seit einigen Wochen. Es gibt diese Augenblicke im Leben, in denen plötzlich jegliche angesammelte Kenntnisse über den Haufen geworfen, auf den Kopf gestellt und neu überdacht werden müssen. Beispiele gefällig? Kennt bestimmt so mancher:
  • Kalorien sind alles - Was geht raus, was geht rein?!
  • Ach Moment, Fett ist der Bösewicht. Da sind ja die meisten Kalorien drin und "Fett macht fett"!
  • Stop! Kohlenhydrate sind schlimm! Die stoppen die Fettverbrennung und machen Heißhunger!
  • Fett ist jetzt plötzlich wieder gut!
  • Aber Eiweiß braucht man ja auch ganz viel. So viel wie möglich!
  • Kalorien zählen nicht, weil die Nährstoffe unterschiedlich verwertet werden
  • Moment, Kohlenhydrate sind nicht immer schlimm... sonst klappt das mit der Schilddrüse irgendwann nicht mehr so gut...
  • Achtung: Zu viel Eiweiß hat auch Nachteile, sogar beim Abnehmen!
Und so weiter. Im Prinzip rotiert man spiralförmig um dieses Thema herum wie ein Saugroboter. Es geht immer um die drei Makronährstoffe Fette, Kohlenhydrate und Proteine, und natürlich um die leidigen Kalorien und die Frage, ob sie überhaupt relevant sind.

Jetzt hat sich mein Weltbild erneut auf den Kopf gestellt.


Fasten als effektivste Abnehmmethode?


Fasten
Fasten ist mega-effektiv!

Fasten war mir schon länger bekannt, vor allem Intermittierendes Fasten, was hauptsächlich im Rahmen von 24 Stunden oder weniger (16 Stunden, 8 Stunden etc.) abläuft. Meine bisherige Meinung dazu: Ein netter kleiner Boost beim Abnehmen, aber nichts, was man übertreiben sollte, weil sonst der Stoffwechsel einschläft und sich gegebenenfalls auch noch die Muskelmasse verabschiedet.
Dann taucht da plötzlich ein Arzt aus Kanada auf und behauptet in seinen Youtube-Videos (leider nur auf Englisch) ganz unerhörte Dinge. Er behauptet, dass es Studien gäbe, die belegen würden, dass beim Fasten (kein Essen, nur Wasser/Tee/Brühe) der Stoffwechsel sogar anspringt, um das Überleben zu sichern. Dass Muskelabbau Quatsch wäre, weil das für den Körper keinen Sinn machen würde. Dass man nicht nur auf Kohlenhydrate verzichten sollte, sondern auch eher mäßig Eiweiß zu sich nehmen sollte, weil es eben auch Insulinreaktionen hervorruft. Dass "nichts essen" extrem einfach, kostenlos, und überhaupt am effektivsten ist.

Der Mann heißt Dr. Jason Fung. Ein Name, den man sich merken sollte. Beschäftigt sich mit Diabetes, Nierenerkrankungen, Adipositas. Ich habe zwei seiner Bücher gleich mal bestellt. Noch sind sie nur auf Englisch erhältlich, aber ich glaube, dass man ihn in ein paar Jahren vielleicht besser kennen wird hierzulande.

Worauf all das hinausläuft: Fasten funktioniert tatsächlich, wie ich im Selbstversuch feststellen konnte. Ich habe das Unglaubliche gewagt und tatsächlich in einer Woche 4 Tage am Stück, in der darauf folgenden Woche 3 Tage am Stück nichts gegessen.

Die Ergebnisse waren verblüffend, vor allem deshalb, weil ich ja schon im Abnehmmodus war und deshalb keine großen Sprünge erwarten konnte (dies ist meistens am Anfang einer Diät der Fall).

Hier der Zeitraum vor dem Fasten, während des Fastens und am Ende der zwei Wochen:

Datum 19.02. 26.02. 05.03.
Gewicht 83,8 80,3 78,3
Körperfettanteil (%) 24,1 23,0 22,4
Wasseranteil (%) 55,4 56,2 56,6
Muskelmasse (%) 37,1 37,7 38,0

Ich wog also zu Beginn fast 84 Kilo, aber um es nochmals klar und deutlich zu sagen: Das war bereits im Low-Carb-Modus, mit relativ leeren Glykogenspeichern, ohne Wasseransammlungen im Körper und auch ohne vollen Verdauungstrakt.
In der ersten Fastenwoche (komplettes Fasten von Mittwoch früh bis Sonntag morgens) verzichtete ich für über 100 Stunden auf feste Nahrung. Und auch bei den Getränken gab es nichts, was nennenswerte Kalorien hatte: Wasser, Tee, vielleicht mal Kaffee ohne Milch.

Ich verlor dann über 3 Kilo. Meine Befürchtung, dass dies zu Lasten der Muskeln gegangen sein konnte, bestätigte sich anhand der Körperfettwaage nicht. Im Gegenteil, der Fettverlust war extrem hoch, so einen Sprung hatte ich meiner Erfahrung nach vorher noch nicht. Ich verlor auch nicht übermäßig viel Wasser, was ja oft in solchen Situationen behauptet wird. Mein prozentualer Wasseranteil war sogar noch höher, und durch den starken Fettverlust war meine Muskelmasse prozentual ebenfalls deutlich höher als vorher.

In der zweiten Woche fastete ich nur 3 volle Tage, konnte aber wieder sehr stark abnehmen. Man beachte erneut den starken Rückgang beim Körperfett, den leicht steigenden Wasser- sowie Muskelanteil. Zumindest in diesen zwei Wochen ist der Stoffwechsel nicht zurückgegangen, sonst wäre eine solche Fettverbrennung nicht möglich gewesen.

Falls jemand noch auf eine andere Idee kommt: Nein, es lag auch nicht am leeren Verdauungstrakt während des Fastens. Denn 24 Stunden nach dem Fasten, als ich einen starken Kohlenhydrattag einlegt hatte (Müsli, Obst, Kürbis-Süßkartoffel-Suppe), wog ich exakt so viel wie am Vortag. Ich hatte während der Fastenwoche noch relativ viel Nahrung im Körper "herumliegen", was sich dann erst nach dem Refeed-Tag wieder in Bewegung brachte, wenn ihr wisst, was ich meine.


Wie Fasten wirkt



Ich bin noch dabei, die Bücher von Dr. Fung zu lesen, was ich aber schon sagen kann, ist, dass es bestimmte Aspekte beim Fasten gibt, die einfach bisher zu sehr unter den Tisch gefallen sind, und das gilt sicher ganz besonders im deutschsprachigen Raum, wo alles etwas länger dauert, um wirklich in aller Munde zu sein.

Eine Sache, die ich meinen Lesern auf jeden Fall deutlich machen will ist, dass während des Fastens die hormonellen Umstellungen im Körper enorm sind. Das Wachstumshormon, welches den "Schlank im Schlaf"-Effekt ausmacht, steigert sich durch die lange Abstinenz von Insulin teilweise um mehrere 100 Prozent. Ich habe auch festgestellt, dass besonders der letzte Fastentag den stärksten Gewichtsverlust brachte.

Ein kompletter Verzicht auf Essen ist gleichzusetzen mit einem kompletten Stop des Hormons Insulin, welches die Fettverbrennung verbietet. Wenn dieses Hormon nicht mehr wirken kann, entfalten sich sehr starke hormonelle Wirkungen für das Abnehmen. Alles wird auf Durchzug geschaltet und die Fettzellen können geleert werden. Es ist der ultimative Schalter, um richtig stark Fett zu verbrennen.

Noch ein paar Worte zur Psychologie des Fastens. Viele fragen sich jetzt: Wie ist das mit dem Hunger? Also gut. Zunächst einmal gilt die alte Weisheit der Low-Carb-Diät: Wenn du dich von der Zuckersucht frei gemacht hast, geht es dir schon mal viel besser. Mit anderen Worten: Es geht nur noch um Hunger, nicht um Heißhunger. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Danach ist es natürlich anstrengend, allerdings sei gesagt, dass Hunger in Wellen auftritt. Dr. Fung bestätigt dies. Man hat meistens dann Hunger, wenn man gewohnheitsmäßig dran ist mit Nahrungsaufnahme. Das muss man dann überstehen.

Das Positive ist, wenn man vollkommen fixiert ist auf "null Kalorien", dann hört wenigstens das innere Verhandeln auf. Man weiß, dass man gerade eine Null-Toleranz-Phase durchmacht. Mehr oder weniger essen interessiert nicht. Man isst gar nichts. Das macht die Sache konsequenter und auf einer gewissen Ebene leichter.

Ich gebe zu, dass ich am dritten und vierten Tag schon ziemlich am Ende war. Ich konnte körperlich nicht mehr viel machen, und noch etwas: Ich habe selten so intensiv und sehnsüchtig an Essen gedacht. Es wird zum Lebensinhalt. Man träumt sogar nachts davon!


Alternierendes Fasten als neuer Weg



Mein Fazit daraus ist: Einzelne Tage plus zwei Nächte, also etwa 36 Stunden, sind ziemlich gut machbar. Zwei Tage am Stück kann man auch durchhalten. Gut und vollkommen ausreichend sind aber auch 24-Stunden-Phasen, oder sogar auch 16-Stunden-Fasten mit zeitlichem Essensfenster (14 bis 18 Uhr zum Beispiel). Man kann all diese Modelle wählen und durchtesten. Die positiven Effekte sind überall in unterschiedlicher Dosis vorhanden.

Für mich wird Fasten in den nächsten Wochen und Monaten ein sehr interessantes Thema sein und ich werde weiter darüber berichten. In jedem Fall ist das eine Revolution für mich!

Kommentare:

  1. Hallo,

    schon seit einem Jahr verfolge ich Dein Blog. Ich habe insgesamt 40 kg abgenommen. Davon 16 kg in den letzten 12 Monaten. Im April steht der erste All-Inclusive-Urlaub seit Erreichen des Normalgewichts an. Nun habe ich voller Frude Deinen Beitrag gelesen. Meinst Du, man könnte durch das Fasten quasi eine Art "Zunahme-Urlaubs-Puffer" abnehmen, um dann im Urlaub einfach mal nach Herzenslust zu schlemmen? Wie handhabst Du deine Urlaube? Ich erinnere mich an einen Artikel, in dem Du um Ostern rum mal ordentlich zugalangt hast....und momentan? Gönnst Du Dir hin und wieder Auszeiten, in denen Du isst, ohne es zu kontrollieren bzw. beusst ordentlich reinhaust, egal ob "gesund" oder" wertvoll"?

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  2. Hallo Michael

    Ich habe, dank stressiger Arbeitsphase, bis Ende Februar auch wieder einiges zugelegt ( ca. 5 kg auf 1,75m ) und dann wieder meinen "Lifesytle" (sic) auf Abnehmen umgestellt. Heißt in meinem Fall: Kohlenhydrate runterfahren, kein Snacken zwischendurch, Krafttraining wieder aufgenommen.
    Es hat sich auch ein bißchen was getan, ging aber langsam voran.. da bin ich auf Deinen Blog und diesen Beitrag gestoßen und habe spontan 5 Fastentage eingelegt. Zu mir genommen habe ich täglich 5g Omega3, 500ml Gemüsesaft und nen Proteinshake. ( Bin auch Fan von ESN )Dazu dann literweise Kräter- und Grüntee.
    Und - ich bin von den Socken. 3 kg auf der Waage runter,
    sichtbar Fett abgebaut. Seitdem ich wieder esse keine Zunahme. Allerdings esse ich gerade auch noch ketogen, das heisst ich habe wenig Wasser eingelagert. Mal schauen was das Endergebnis wird, wenn ich wieder KHs esse & dementsprechend wieder Wasser ziehe. Zudem habe ich mich zu jeder Zeit fit und ausgeruht gefühlt.

    Als Fazit kann ich Deine Efahrungen nur bestätigen, bin selbst sehr positiv überrascht und das wird mit Sicherheit nicht meine letzte "Fastenzeit" gewesen sein.

    Keep on loosing (bodyfat) ! ;)
    Auch ein Michael

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