Gedanken Zum Leben Im Überfluss

Ist es nicht irgendwie absurd, dass wir uns mit Übergewicht herumschlagen, während 100- bis 200-Gramm-Packungen Salat für unter einem Euro verhökert werden?


Dieser Gedanke kam mir heute beim Einkaufen. Es geht hier nicht darum, wie gut der Salat ist, ob er Bio-Qualität hat, wie lange er haltbar ist, nicht einmal, welchen Gehalt an Vitaminen er hat. Ich fand es etwas erschreckend, wie billig manche Lebensmittel sind. Man könnte sich nur an diesem Salat satt essen, ein paar Tropfen Olivenöl würden sicherlich, auf viele Salate gerechnet, auch nicht die Welt kosten.

Manche Salate, die von noch höherer Qualität sind als die sowieso schon billigen, werden zum Ende ihrer Haltbarkeit hin noch billiger. Ein Salat, der normalerweise 1,79 Euro kostet, wird jetzt für 1 Euro verkauft, wenn er denn noch gekauft wird.

Natürlich könnte man darüber philosophieren, dass ein Nicht-Bio-Salat einem Bio-Salat unterlegen ist. Dass ein Salat am Ende seines Haltbarkeitsdatums nicht mehr so viele Vitamine hat wie ein Salat, der gerade neu in den Markt gekommen ist. Für mich spielen diese Faktoren keine große Rolle. Ich sehe die Obst- und Gemüsesorten, die es in unseren Märkten gibt, sowieso als relativ nährstoffarm an.

Vergleicht man den Vitamin-C-Gehalt eines beliebigen Lebensmittels (z.B. der Zitrone) mit der Megadosis, die man durch hochdosierte Multivitamine bekommen kann, dann erscheinen mir die Werte dieser Obst- und Gemüsesorten schon eher lächerlich. Doch ich habe mir angewöhnt, bei Obst und Gemüse eben nicht an die Vitamine und Mineralien zu denken, sondern an die sekundären Pflanzenstoffe.

Die Idee dahinter ist, dass ein Apfel tausende Wirkungsstoffe hat, während die Vitamintablette eben nur einige wenige hat, die dafür in wirksamer Menge. Dennoch sind Pflanzenstoffe wertvoll, und deshalb sollten wir ruhig öfter mal den (reduzierten) Salat mitnehmen. Kostet ja nicht viel.

Um noch ein paar weitere Gedanken zu unserer Konsumgesellschaft zu bringen: Ich habe vor Jahren mal das Dumpster Diving, auch Containern genannt, ausprobiert. Einige Monate lang. Ich bin nachts über die Höfe der Supermärkte geschlichen und habe aus den Tonnen das mitgenommen, was keiner mehr wollte. Streng genommen ist es nicht legal, denn Müll ist ja schließlich auch Eigentum.

Wie dem auch sei, es ist erstaunlich, was da so weggeworfen wird. Salate, Bananen, viele Gemüsearten. Dann wiederum auch dutzende Kekse im Gesamtwert eines Fünfzig-Mark-Scheins. Manchmal sogar die eine oder andere Packung Lachs (ja, man muss aufpassen, ob das noch essbar ist). Mein Fazit war, dass man in Großstädten davon leben können müsste, ohne überhaupt Geld für Lebensmittel auszugeben. Gleichzeitig war ich schockiert, dass manche Lebensmittel schon "vorauseilend" weggeworfen wurden. Die Waren wären noch einige Tage haltbar und damit zum Verkauf geeignet gewesen, aber da wohl gerade der entsprechende Tag der Woche war, an dem man viel aus dem Markt schmeißen wollte, hat man diese Lebensmittel ebenfalls entsorgt.

Es wäre sicher etwas anderes, wenn die Nahrungsmittel an Bedürftige gingen. Tun sie aber meiner Erfahrung nach kaum. Das, was vielleicht gerade noch an Bedürftige geht, ist immer noch perfekt verpacktes, haltbares, eben aus anderen Gründen nicht mehr verkaufsfähiges Essen. Viel zu viel Nahrung wird für nichts und niemanden produziert. Schade!

Und was passiert, wenn sich heraus stellt, dass jemand nachts Salate, Actimel-Joghurts, Suppen, Soßen, Süßigkeiten (!) stibitzt hat, die kein Mensch mehr gegessen hätte? Der Markt hängt ein Schloss an die Mülltonne. Thema erledigt. Bevor es was umsonst gibt, soll der Kunde bitte wieder regulär für Geld an Lebensmittel kommen.

Deshalb: Wenn es reduzierte Ware gibt, greife ich schon gerne mal zu, auch wenn es etwa Neues ist, was ich noch nicht probiert habe. Ich weiß, dass dieser Artikel etwas anders war als die anderen, aber ich wollte diese Sicht der Dinge einmal kundtun.

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