Abnehmmethoden Aus Sicht Eines Laien

Mein reicher Erfahrungsschatz ermöglicht es mir inzwischen, zurückzublicken und zu sehen, wie sich meine Sicht auf verschiedene Diäten und Ansätze der Ernährung (Kalorien, Fette, Kohlenhydrate etc.) gewandelt hat.

Das, was ich durchlebt habe, erleben vermutlich viele andere Menschen auch. Man lernt ständig dazu, Stichwort "Lebenslanges Lernen", und was man gestern noch für richtig hielt, kann morgen schon veraltet sein. Ich biete deshalb einen Rückblick auf verschiedene Abnehmmethoden und wie man als normaler Übergewichtiger allmählich tiefere Einblicke in die Materie bekommt - zumindest sind dies meine persönlichen Erkenntnisse der letzten Jahre...


Es fängt alles an mit Kalorien


Abnehmmethoden
Image courtesy of Apolonia / freedigitalphotos.net

Es ist schon reichlich seltsam, aber wir Menschen neigen dazu, viele Dinge als selbstverständlich anzusehen. Auf der einen Seite informieren wir uns tiefgehend über Details, zum Beispiel beim Kauf eines neuen Computers oder Autos. Auf der anderen Seite geben wir uns bei Angelegenheiten, die uns persönlich betreffen, mit viel weniger zufrieden.

Beim Abnehmen ist es bei vielen Leuten so, dass sie sich gar nicht besonders intensiv mit dem Gewichtsverlust auseinandersetzen, sondern nur Kalorien zählen wollen und fertige Rezept-Ideen wünschen.

Bei mir war es teilweise auch so. Der erste Gedanke beim Abnehmen ist für viele Leute: "Ich muss weniger essen als mein Körper an Kalorien benötigt".

Kalorienzählen ist die einfachste und häufigste Abnehmmethode, die es gibt. Man verlässt sich dabei nur auf eine Zahl, einen Richtwert, und zwar auf die Kalorien. Die Zusammensetzung dieser Kalorien spielt keine Rolle, und die wenigsten Menschen sind sich der Tatsache bewusst, dass der Ursprung dieser Kalorien eine erhebliche Rolle über den Abnehmerfolg ausmachen kann. Beispiel: Kekse und Nüsse. Beide können ähnliche Kalorien aufweisen, doch was ist besser? Wer nur Kalorien zählt, stellt sich die Frage nicht.

Andererseits kann es sein, dass man gerade mit dieser simplen Methode gut abnehmen kann. Denn im Kern steckt auch eine gewisse Wahrheit. Nämlich die, dass eine überschüssige Nahrungsaufnahme meistens zu Übergewicht führt und eine reduzierte Kalorienaufnahme zum Abnehmen. In der Regel. Es gibt Ausnahmen.


Low Fat versus Low Carb



Wenn es mit dem Kalorienzählen nicht so richtig klappt, weil die Ergebnisse ausbleiben, oder wenn man meint, dass das alles doch noch schneller und effektiver klappen müsste, landet man irgendwann in einem von meistens zwei Lagern.

Klar, es gibt immer noch exotische Diäten wie die Kornspitzdiät oder ähnliche Abnehmmethoden, doch abseits des reinen Kalorienzählens sind Low Fat und Low Carb die beiden dominanten Diätformen. Fast jeder landet irgendwann einmal hier.

Beide Abnehmmethoden haben schlüssige Argumente. Low Fat überzeugt mit der (zu) einfachen Logik "Fett macht fett". Ein Trugschluss, aber zumindest ein ziemlich einprägsames Argument. Und auch diese Abnehmmethode kann funktionieren, denn Fette sind die kalorienreichsten Lebensmittel. Man kann also viel Energie einsparen, wenn man kaum noch Fett zu sich nimmt.

Low Carb setzt auf eine andere Linie. Hier sind Fette ausdrücklich erlaubt, wenn auch in Maßen. Zucker ist der Bösewicht, deshalb soll man auf Kohlenhydrate weitestgehend verzichten, und auch komplexe Kohlenhydrate werden im Magen schließlich zu Zucker, was den Blutzuckerspiegel ins Wanken bringt.

Wenn man in einem dieser beiden Lager angekommen ist und die Abnehmversuche Erfolg bringen, tritt ein interessantes Phänomen ein. Es kommt zu einer Art Religionisierung der Diät. Plötzlich scheint es, als habe man das Allheilmittel zum Abnehmen entdeckt. Low Carb (oder Low Fat) ist plötzlich die Lösung! Wer jetzt nicht abnimmt, ist selber schuld, denkt man.

Diese Denkweise schränkt gleichzeitig die Sicht ein. Kritik an der Abnehmmethode wird bewusst ausgeblendet oder mit "kann nicht richtig sein" zu den Akten gelegt. Der Erfolg der Diät erweckt den Eindruck, als sei die neue Ernährung für immer und alle Menschen die einzig richtige.


Schattenseiten und erfolglose Abnehmversuche



Als nächstes passiert es, dass man anderen von seinen Erfolgen erzählt. Manche schließen sich an und erreichen ebenfalls erstaunliche Ergebnisse. Andere probieren die Diät aus, sie funktioniert aber nicht. Wie kann das sein?

Ebenfalls möglich: Die Diät funktioniert eine Weile gut, dann aber, nach ein paar Monaten, stellt sich Stagnation ein.

Was man daraus lernt: Jede Abnehmmethode hat auch ihre Schattenseiten.

Low Fat mag funktionieren, gerade aufgrund eines Kaloriendefizits. Aber Fett macht eben nicht fett. Wer sich sehr viel von Kohlenhydraten ernährt, kann auf Dauer Probleme mit Heißhunger und schwankendem Blutzuckerspiegel haben.

Low Carb kann auch Nachteile haben. Wer eine Low-Carb-Diät über viele Monate einhält, vielleicht auch vorher schon auf radikale Weise versucht hat abzunehmen, wirtschaftet seine Schilddrüse möglicherweise stark herunter und senkt damit sein Stoffwechselniveau bis zu dem Punkt herab, ab dem weiterer Verzicht nicht zu mehr Gewichtsverlust führt.

Je nach Ernährungsform kann es passieren, dass Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe auf der Strecke bleiben. Selbst das viel gelobte Eiweiß hat gewisse Schattenseiten. Eiweiß kann, wenn es im Überschuss aufgenommen wird, in Energie zurückgewandelt werden.


Der ganzheitliche Ansatz



Irgendwann wachsen die Erkenntnisse bezüglich der Abnehmmethoden weiter an. Hier erreicht man den Punkt, an dem man versteht, dass es bei Ernährung nicht nur um Abnehmen, sondern um Gesundheit im Allgemeinen geht. Also auch um die Versorgung mit Vitaminen und Mineralien.

Außerdem wird immer deutlicher, dass es nicht die eine richtige Ernährung gibt, sondern dass der Mensch schon immer in gewissen Zyklen gelebt hat. Es gibt No-Carb-Phasen (Mammutjagd im Winter) und High-Carb-Phasen (Beerensammeln im Sommer), die sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder wiederholt haben müssen.

Der menschliche Organismus ist hochgradig flexibel und lässt sich nicht durch strikte Regeln, die allein im Kopf entstehen, festnageln. Das Festhalten an der einen Ernährung führt nicht zum Erfolg auf Dauer. Es kommt auch nicht auf nackte Zahlen an. Deshalb meine Bitte an alle Leser, sich nicht zu sehr auf fest definierte Grenzen zu stützen (unter 30/100/200 Gramm Kohlenhydrate am Tag sind vollkommen willkürliche Werte, die jeder für sich selbst finden kann, die aber gleichzeitig nicht in Stein gemeißelt sind).


Was bleibt?



Ich hoffe, ich konnte meinen persönlichen Weg durch die Abnehmmethoden verständlich machen. Bei mir war low carb der Schlüssel zum Erfolg, jedoch dauerte es eine Weile, bis ich verstand, dass high carb nicht schlecht sein muss, dass manche Menschen mit einer scheinbar gegenteiligen Abnehmmethode ebenfalls abnehmen konnten, und dass der menschliche Körper so dermaßen komplex ist, dass man sich nicht alles mathematisch ausrechnen kann, schon gar nicht den Gewichtsverlust.

Ich halte low carb weiterhin für eine gute Methode, allerdings mehren sich die Stimmen, die sagen, dass man sich nicht ewig auf eine Ernährungsform festlegen muss.

Mein Tipp zum Abnehmen ist daher, viel zu lesen, sich immer weiterzuentwickeln, und immer die Augen offen zu halten. Ein Beispiel: Weizenkleie hat 18 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm. Dieses Lebensmittel hätte ich vor ein paar Jahren noch mit einem Kopfschütteln im Laden stehen gelassen. Heute weiß ich: Weizenkleie (Dinkelkleie, und und und...) ist einer der größten Sattmacher aufgrund der großen Ballaststoffmenge. Man muss immer den Gesamtzusammenhang sehen und darf sich nicht aus falsch verstandener Loyalität zu einer Abnehmmethode einschränken.

In diesem Sinne: Viel Erfolg weiterhin beim Abnehmen!

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