Kopf Gegen Körper - Der Abnehmkampf

Der innere Kampf zwischen Kopf und Körper sorgt bei Diäten oft für gehörige Probleme. Auf der einen Seite die Vernunft, auf der anderen Seite das Verlangen. Es ist leicht, im einen Augenblick gefasst und entschlossen zu sein, doch im nächsten Moment ist man schwach und gibt seinen Gelüsten nach dem falschen Essen nach.

Diesem Abnehmkampf "Kopf gegen Körper" muss man sich unglaublich oft stellen. Welche mentalen und praktischen Techniken führen aus dieser Zwickmühle? Hier meine persönliche Sichtweise dazu.


Kein Duell mit sich selbst veranstalten


Kopf gegen Körper
image courtesy of stockimages / freedigitalphotos.net

Der erste Fehler überhaupt ist es, ein Duell Kopf gegen Körper überhaupt erst entstehen zu lassen. Wenn man sich, wie ich früher, dazu hinreißen lässt, zu sagen: "Ich werde meinen Körper bezwingen und abnehmen, komme was wolle", dann hat man schon verloren. Denn man kann den Körper nicht vom eigenen Selbst abtrennen. Körper und Geist bilden eine Einheit. Wer auch immer gewinnt, verlieren tut man trotzdem.

Wenn man ein Duell mit sich selbst startet, bedeutet das in der Praxis, dass man "sachlich gedacht" eine Diät machen will und der Körper sich gefälligst unterzuordnen hat.
Entweder gewinnt der Kopf dieses Duell, und der Körper quält sich über die nächsten Wochen und Monate, oder der Körper gibt einem relativ schnell zu verstehen, dass das Wunschgewicht der Schokolade zuliebe nachrangig ist.

Man muss den Körper mitnehmen bei einer Diät. Das heißt natürlich nicht, dass Abnehmen nur als Spaziergang im Park funktioniert. Wenn die Kilos runter sollen, muss man durchaus den Kopf einschalten. Nur darf dieser Kopf sich nicht über alles hinwegsetzen, was der Körper einfordert, sonst landet man in einer Sackgasse.


Nicht in Extreme geraten



Damit sind wir schon beim nächsten Punkt. Ich kenne diesen Punkt nur zu gut, denn bei mir funktioniert Abnehmen meist wirklich nur, wenn ich eine radikale Herangehensweise einschlage. Konkret heißt das, dass ich meine gesamte Ernährung umstellen muss und nichts essen darf, was auch nur annähernd Appetit auf mehr verursachen könnte.

Doch man muss immer auf der Hut sein, denn schnell gerät man in Extreme. Beispiel: Man kann zwar morgens das Frühstück auslassen, aber wenn man nicht aufpasst, hat der Körper mittags oder nachmittags einen so großen Nachholbedarf, dass man am Ende mehr Essen in sich hineinschaufelt, als wenn man Frühstück und Mittagessen kontrolliert zu sich genommen hätte.

In diesem Beispiel ist es so, dass der Kopf wieder sachlich und logisch denkt und eine "Abkürzung" zum Wunschgewicht vorschlägt. Denn wenn man morgens gar nichts isst, nimmt man ja viel schneller ab, oder? Doch hier meldet sich der Körper in vielen Fällen unangenehm zurück und fordert seinen Tribut: Man isst netto deutlich mehr.

Hier ist die Balance wichtig. Jeder sollte die eigenen Grenzen kennen. Es ist durchaus sinnvoll, in manchen Bereichen der Ernährung streng mit sich selbst zu sein, aber wenn man den Bogen überspannt, geht die Sache nach hinten los. Der Kopf ist dazu da, vor allen Extremen zu schützen: Sowohl zu wenig Essen als auch zu viele Süßigkeiten, wenn man sich mal was gönnt.


Wochenstart nutzen



Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich ist der Wochenstart immer die perfekte Gelegenheit, um motiviert mein Zielgewicht ins Auge zu fassen. Wenn man mal Fehler gemacht hat und an einem Tag schwach geworden ist, verliert man stark an Motivation und weiß innerlich schon, dass das Ergebnis auf der Waage beim nächsten Mal sowieso nicht optimal sein wird.

Dann ist die Vorbereitung auf den nächsten Montag sinnvoll. Ich überlege mir immer, was ich in der kommenden Woche alles richtig machen will und wie mein Konzept dafür aussehen wird. Welche Lebensmittel erlaube ich mir? Mache ich es sehr streng und halte mich hauptsächlich an "künstliche" Nahrungsmittel, die meinen Appetit kontrollieren, wie z.B. Eiweißpulver, spezielle Quark-Mischungen und Ballaststoffbomben, oder ernähre ich mich gemäßigt, gönne mir auch mal etwas, nehme dafür aber vielleicht nicht so schnell ab?

Mein Tipp: Wem das durchhalten schwer fällt, der sollte einfach mal probieren, eine 7-Tage-Diät durchzuführen, und zwar mit dem klaren Vorsatz, dass man danach wieder essen kann, was man will. Das Ziel dahinter ist nicht, dass man tatsächlich dauerhaft abnimmt, sondern dass man sich selbst beweist, dass man zumindest 7 Tage durchhalten kann. Für manche Menschen funktioniert so eine befristete Diät mit Aussicht auf Belohnung danach besser als der Gedanke, man möge jetzt in den nächsten 6 Monaten sein komplettes Übergewicht loswerden und nie wieder Süßigkeiten essen. Es geht also nur darum, erst einmal zu lernen, dass man es kann!


Sattmacher reinschieben, aufs Sofa, Fernsehen gucken



Ich bin immer dafür, dass man versucht, die Hemmschwelle fürs Abnehmen möglichst niedrig zu halten. Deswegen rate ich auch nicht ständig zu Sport, obwohl es natürlich besser wäre. Aber ich will die Leute ansprechen, denen die Überzeugung zum Abnehmen fehlt.

Was sich für mich bewährt hat, um mit wenig Aufwand abzunehmen, ist eine spezielle Sattmacher-Mischung, mit der man innerhalb weniger Minuten komplett gesättigt ist und für mehrere Stunden einen vollen Magen hat. Diese Mischung habe ich in meinem Artikel Sattmacher beschrieben. Man kann dieses Rezept übrigens abwandeln und beispielsweise Magerquark oder Joghurt ergänzen, solange man ordentlich viele Ballaststoffe zu sich nimmt.

Der Effekt dieses Sattmachers ist in erster Linie die Hungerkontrolle. Heißhunger wird davon nicht direkt abgedeckt. Wir müssen uns dessen bewusst sein: Es gibt den Hunger und es gibt den Heißhunger. Hunger bedeutet Leere im Magen, Heißhunger bedeutet Abhängigkeit von bestimmten Stoffen: Zucker, Mehl, aber auch oft auch fehlende "gute" Stoffe wie Magnesium, Serotonin etc.

Der Sattmacher hilft beim Abnehmen, aber nur dann, wenn man nicht wieder den Kampf zwischen Kopf und Körper beginnen lässt. Anders gesagt: Man darf nicht nachdenken. Der Sattmacher muss zum Automatismus werden. Wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, müssen die Zutaten vollkommen bereit sein. Es muss mega-schnell gehen. Am besten ist es sogar, wenn der Sattmacher schon bereit steht. Man darf sich auch keine Süßigkeiten auf dem Weg nach Hause gekauft haben!

Also: Sattmacher rein, nicht über alternative Mahlzeiten nachdenken, dann ab aufs Sofa, Fernsehen gucken und in ein paar Minuten ist der Hunger vergessen. Und wenn man das eine Weile so gemacht hat, ist der Heißhunger auch kein Problem mehr. Falls doch, hier meine Lösung...


Kaugummi, Zähneputzen, Mundwasser - Tötet Heißhunger



Der effektivste Heißhungerkiller ist meiner Ansicht nach die Frische im Mundraum. Es gibt bestimmt irgendwo da draußen wissenschaftliche Erkenntnisse, die das bestätigen, was viele von uns eigentlich schon lange wissen: dass im Mundraum irgendetwas vor sich geht, was ganz stark mit der Bildung von Appetit zu tun hat.

Wenn man sich nach dem Essen die Zähne putzt, dann freut das nicht nur den Zahnarzt. Es ist auch ein guter Trick, um Heißhunger auszubremsen und sich ein Dessert zu sparen. Sozusagen ein Life Hack. Mundwasser geht auch und ist etwas schneller. Kaugummi ist eine gute Lösung für unterwegs, auch wenn die Wirkung nicht ganz so lange anhält.

Kombiniert man beides - den Sattmacher und die Frische - dann hat man zwei gute Wege gefunden, um Gewichtsprobleme unter Kontrolle zu bekommen und dem Übergewicht den Kampf anzusagen. Doch auch bei Kaugummi und co. gilt der Grundsatz, dass man nicht zu viel nachdenken sollte. Natürlich schmeckt Schokolade besser als Nachtisch. Aber bitte nicht drüber nachdenken. Kaugummi rein, fertig! Eine Minute später spielen diese Gedanken keine Rolle mehr...


Neurotransmitter kennen lernen



Wenn der Kopf gegen den Körper kämpft und umgekehrt, dann hat das meistens etwas mit einem Ungleichgewicht zu tun. Stress, Unausgeglichenheit, Mattigkeit, es gibt viele Faktoren, die dazu führen, dass man eine Diät aufgibt und plötzlich zu den falschen Lebensmitteln greift.

Was viele nicht wissen, ist, dass die Körperchemie hier gestört sein kann. Es liegt also keine Willensschwäche vor, sondern zum Beispiel ein Serotoninmangel, und der Körper holt sich dieses Serotonin eben dann durch Naschen wieder zurück. Das sind tatsächliche chemische Vorgänge, die so ablaufen!

Ich hatte darüber schon geschrieben. Lässt sich alles in einem schlauen Buch nachlesen: Was die Seele essen will.


Fazit



Niemand hat gesagt, dass der Abnehmkampf einfach ist. Aber man muss es sich nicht auch noch schwerer machen als nötig. Das ist die gute Nachricht. Klar, die Kilos müssen runter und das ist nerviger, als jeden Tag nach Belieben reinzuhauen. Aber es gibt hier und da ein paar Tricks, mit denen man es für sich selbst einfacher machen kann:
  • Kein "Ich besiege meinen Körper" oder ähnliches
  • Keine übertriebenen Rekord-Diäten über Wochen und Wochen, sondern ein vernünftiger, konsequenter Weg zum Ziel
  • Wenn einem Mal das Verlangen einen Strich durch die Rechnung macht - nächsten Montag neu starten mit diesen Erkenntnissen
  • Sattmacher essen - schnell zubereiten, danach Ablenkung - das hilft
  • Heißhunger auskontern durch Mundfrische
  • Viel lesen und lernen über Serotonin und andere Gehirnbotenstoffe

Ich wünsche allen Lesern eine gute Ausgeglichenheit für Körper und Seele.

Kommentare:

  1. "Die macht der Disziplin" ist als passendes Buch zu dem Thema sehr zu empfehlen.

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  2. Hallo Michael,
    Danke für diesen wundervollen Blog!
    "Sehnsucht und Hunger" von Maria Sanchez hat mir geholfen viele der Tipps hier auch in tieferen Ebenen zu integrieren und länger am Ball zu bleiben.
    Vielleicht magst Du es mal googeln, und sehen ob es sich als eignet aber vielleicht ist es vor allem auch was für Dich.
    Schön dass es Leute wie dich gibt die sich soviel Arbeit machen und andere motivieren.
    Lg,Christine

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