Buchtipp: Was Die Seele Essen Will

Wir befinden uns mitten im Themenmonat Neurotransmitter, wie ich bereits vor einer Woche angekündigt hatte. Ebenfalls angekündigt hatte ich meinen Buchtipp, den ich nun vorstelle.

Bei meinen vielen Recherchen zu Gesundheitsthemen gibt es hin und wieder mal ein Buch, welches durchaus das Potenzial hat, meine Denkweise grundlegend auf den Kopf zu stellen und mein Leben zu verändern. Ein solches Buch war Die Neue Diät von Dr. Strunz. Inzwischen bin ich auf ein weiteres Buch gestoßen, welches meinen Horizont ganz massiv erweitert hat.


Mood Cure - Was die Seele essen will


Mood Cure - Was die Seele essen will
Was die Seele essen will

Der Titel und das Äußere dieses Buches sind etwas trügerisch, denn sie vermitteln den Eindruck, es würde sich hier nur um einen bunten, blumigen Diätratgeber handeln. Doch dieses Buch ist meilenweit von den typischen Tipps aus Frauenzeitschriften entfernt, die man vielleicht erwarten würde.
Und es geht auch nicht um kaloriensparende Rezeptideen mit Salaten, sondern um wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie bestimmte Nährstoffe auf unsere Gefühle wirken - und welche Neurotransmitter diese Gefühle beeinflussen. Beschrieben werden diese Erkenntnisse hautnah und verständlich.


Worum geht es?



Die Psychotherapeutin Julia Ross ist Autorin des Buches und hat langjährige Erfahrung bei der Behandlung von Suchterkrankungen, Depressionen und anderen Erkrankungen, die in Zusammenhang mit dem Gefühlsleben von Menschen stehen.

Bereits zu Beginn des Buches erläutert Ross einen wichtigen Unterschied, nämlich den Unterschied zwischen "echten und unechten Emotionen". Als klar verständliche Beispiele liefert sie auf der einen Seite die Trauer nach einem Todesfall oder den Ärger, der entsteht, wenn der Chef einem den geplanten Urlaub streicht. Auf der anderen Seite gibt es als "unechte Emotionen" unnötige Ausraster, wenn ein Familienmitglied den Müll nicht raus gebracht hat oder ständige selbstkritische und selbstzerstörerische Gedanken ohne objektiven Grund.

Der Gedanke "ich weiß nicht, was in mich gefahren ist" ist dabei übrigens ein ganz klares Erkennungsmerkmal für solche "unechten Emotionen".

Hier wird bereits klar, worum es in diesem Buch gehen wird: Emotionen zu erkennen, die keine "echte" Ursache haben außer einem Ungleichgewicht in unserer körperlichen Chemie. Man würde in der Regel auf den Gedanken kommen, solche Gefühle psychologisch betrachten zu wollen, oft sind es aber Mangelzustände in der Ernährung, die uns reizbar oder missmutig werden lassen!

Bereits relativ früh, nämlich innerhalb der ersten 25 Seiten, bringt die Autorin schnell auf den Punkt, welche Botenstoffe (Neurotransmitter) für welche Reaktionen und Emotionen zuständig sind:

  • Ein hoher Serotoninspiegel macht positiv, selbstsicher, flexibel und entspannt
  • Ein niedriger Serotoninspiegel sorgt für eine pessimistische Sichtweise, Zwangsverhalten, Besorgnis, Reizbarkeit und Schlafprobleme

  • Ein hoher Katecholaminspiegel begünstigt Optimismus, Energie und Munterkeit
  • Ein schwacher Katecholaminspiegel sorgt für Lethargie, Tristesse und ein flaues Gefühl im Alltag

  • Ein hoher GABA-Spiegel zeugt von Gelassenheit und Schutz vor Stress
  • Bei niedrigem GABA-Spiegel ist man gestresst, aufgeregt und überfordert

  • Ist der Endorphinspiegel hoch, fühlt man sich behaglich, pudelwohl und teilweise sogar euphorisch
  • Wenn der Spiegel an Endorphinen schwächelt, ist man verletzlich, fängt selbst bei Kleinigkeiten an zu weinen und ist schmerzempfindlich

Die allermeisten Menschen dürften eines oder mehrere der Probleme, die hier genannt sind, kennen. Und ebenso viele Menschen werden in ihrem Leben immer davon ausgegangen sein, dass solche Probleme nicht greifbar sind, dass sie irgendwo im Unterbewusstsein verwurzelt sind und nur durch professionelle Hilfe an die Oberfläche geschaufelt werden können. Dass die Ursache aber einfach nur ein Mangel sein könnte, darauf kommt kaum jemand.

Und genau darüber sollte man mal nachdenken, denn Gefühle unterliegen denselben Gesetzmäßigkeiten wie Körperteile. Ein Haarausfall kann psychisch bedingt sein, aber vielleicht ist die Ursache ein Eiweißmangel. Ständige Nervosität oder Lustlosigkeit kann tiefgehende psychologische Ursachen haben, aber vielleicht ist es auch hier nur ein Mangel, den man beseitigen kann!


Der Fragebogen als Wegweiser



Das Kernstück des Buches "Was die Seele essen will" kommt auch relativ früh in Form eines Fragebogens. Den Fragebogen gibt es im Internet leider nur auf englisch, aber ich erkläre gerne kurz, worum es darin geht:

Es gibt Fragebögen für vier verschiedene Szenarien, in denen man sich befinden kann:

  1. Befinden Sie sich unter einer dunklen Wolke?
  2. Fühlen Sie sich "bla"?
  3. Ist Stress Ihr Problem?
  4. Reagieren Sie zu empfindlich auf die Leiden des Lebens?

Es ist durchaus möglich, in mehrere Kategorien zu fallen, zum Beispiel kann man sich unter einer dunklen Wolke befinden (Serotoninmangel) und sich "bla", also lustlos und lethargisch, fühlen (Mangel an stimulierenden Hormonen).

Die Fragebögen sind dabei sehr vielfältig gestaltet und zielen nicht nur auf ein einzelnes Problem ab. Zum Beispiel ist der Fragebogen #1 (dunkle Wolke) nicht nur auf Depressivität gerichtet, denn auch Heißhunger, Gereiztheit und Wetterfühligkeit werden hier überprüft. Wenn man mehrere Fragen mit "ja" beantwortet und dadurch eine gewisse Punktzahl erreicht, ist ersichtlich, dass ein Mangel an einem bestimmten Neurotransmitter vorliegt. Es ist nun wichtig, die Herstellung dieses Gehirnbotenstoffes durch Einnahme von Eiweißbausteinen möglich zu machen.


Konkrete Ratschläge



Wodurch dieses Buch ebenfalls punktet, ist aus meiner Sicht die Vielfalt an konkreten Ratschlägen und Einnahmetipps. Hier wird nicht nur beschrieben, welcher Stoff fehlt, sondern auch, wie man ihn wieder auffüllen kann. Dabei werden natürliche Lebensmittel, Heilpflanzen, Nahrungsergänzungsmittel und Arzneien aufgelistet, der Fokus liegt aber meistens in der Mitte dieses Spektrums, also bei Heilpflanzen und Nahrungsergänzungsmitteln.

Weiter wird erklärt, in welcher exakten Dosierung man diese Stoffe zu sich nehmen sollte, über welchen Zeitraum dies sinnvoll wäre und sogar, welche Hersteller die Produkte beispielsweise anbieten. Man hat so die Möglichkeit, alle Hinweise an die Hand zu bekommen, die nötig sind, um ganz zielgerichtet einen Mangel zu beheben. Die meisten anderen Ratgeber würden an dieser Stelle nur sehr vage Formulierungen machen oder zu sehr auf natürliche Lebensmittel vertrauen, die jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse bringen, denn die Aminosäuren aus der Nahrung stehen im Körper unter Konkurrenzdruck und gelangen nicht alle dort hin, wo sie gebraucht werden.

Die Erläuterungen sind alle sehr strukturiert und sinnvoll. Man kann im Buch auch viel hin und her springen. Wenn man einen Fragebogen durchlaufen hat und einen Mangel an Neurotransmittern festgestellt hat, kann man sofort erfahren, wodurch man möglicherweise in diese Situation geraten ist, welche Symptome (körperlich und psychisch) den Nährstoffmangel belegen, wie man Abhilfe schaffen kann und wann man mit Ergebnissen rechnen kann. Auch Beispiele aus dem Klinikalltag werden beschrieben, diese sind sehr motivierend und aufmunternd.


Warum ist dieses Buch so wichtig?


Ich habe auf diesem Blog bisher meistens über Abnehmen und allgemein über Ernährung geschrieben. Es erscheint mir aber inzwischen immer wichtiger, Ernährung in einem Gesamtbild zu sehen - und zwar im Dreieck mit genetisch korrekter Lebensweise und Glück. Anders gesagt: Wir verhalten uns so, wie es die Natur von uns will, und weil wir uns "artgerecht" verhalten, werden wir mit Glückshormonen etc. belohnt.

Essen und Trinken ist eben nicht nur das, was am Ende unser Gewicht ausmacht, sondern alles, was wir uns durch Ernährung zuführen, hat auch Auswirkungen auf unser Seelenleben. Ob ich zufrieden, gelassen und motiviert bin, oder unglücklich, gestresst und lustlos, das alles hängt ganz stark davon ab, was ich esse und trinke.

Ich empfehle deshalb allen meinen Lesern, sich ruhig mal ein bisschen näher mit Neurotransmittern zu beschäftigen. Es geht gar nicht darum, die genauen chemischen Prozesse zu verstehen. Es reicht, zu wissen, dass zum Beispiel Tryptophan im Körper zu Serotonin umgewandelt wird, und dass dieses Serotonin einerseits für sehr viele positive emotionale Änderungen sorgt, andererseits wiederum in das Schlafhormon Melatonin umgewandelt werden kann, was wiederum für Ruhe, guten Schlaf und damit Ausgeglichenheit sorgt.

Wer "Was die Seele essen will" liest, gelangt an viel wertvolles Wissen und erfährt Hintergründe, die bisher verborgen blieben. Der größte Erkenntnisgewinn besteht aus meiner Sicht darin, dass man lernt, dass viele Gemütszustände eben nicht nur unter "jahrelange Psychotherapie" abehakt werden müssen, sondern dass man diese Zustände mit einem Schalter umlegen kann - manchmal, wie das Buch mutig behauptet, innerhalb von 24 Stunden.


Mein Fazit



Einige der Dinge, die in "Mood Cure - Was die Seele essen will" beschrieben werden, kannte ich vorher schon. Ich weiß um die stimulierende Wirkung mancher Aminosäuren, weiß, dass man keinen Kaffee braucht, um wach zu werden. Doch die Dimension war mir nicht klar. Ich habe es sogar geschafft, nahezu auf Knopfdruck einzuschlafen, mitten am Tag, indem ich einfach mal mit den natürlichen Stoffen experimentiert habe, die in diesem Buch beschrieben werden. Über einige meiner Erfahrungen werde ich in den nächsten Wochen noch näher schreiben. Auf jeden Fall ist dieses Buch von Julia Ross ein sehr guter Wegweiser, den ich hiermit jedem ans Herz lege, der in irgendeiner Form mit Stimmungsproblemen wie Unzufriedenheit, Antriebslosigkeit, Stress oder (emotionaler und körperlicher) Schmerzempfindlichkeit zu kämpfen hat. Sogar für Menschen mit Heißhunger-Problematik empfiehlt sich das Buch. Doch auch das werde ich demnächst noch aufgreifen...

"Was die Seele essen will: Die Mood Cure" ist auf Amazon günstig erhältlich.

Auch, wenn ich in den nächsten Wochen noch viele Dinge, die ich in diesem Buch und anderswo gelesen habe, auf meinem Blog vorstellen werde, empfehle ich dieses Buch, weil man dadurch noch tiefer in die Materie eindringen kann.

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