Dopaminmangel Ausgleichen Und Mehr Antriebskraft Bekommen!

Wenn Serotonin und Dopamin Haustiere wären, dann wäre Serotonin der zufriedene, mit sich selbst und der Welt im Reinen befindliche Kater, der auf dem Sofa liegend in sich hineinlächelt. Dopamin wäre der Hund, der vor Energie nur so strotzt, immer heiß auf Action und dabei wach und aufmerksam ist.

Dopamin macht wach und motiviert


Dopaminmangel Dopaminspiegel
image courtesy of Poulsen Photo / freedigitalphotos.net

Letzte Woche haben wir die Frage aufgeworfen, wie man einen Serotoninmangel beseitigen kann. In meiner Reihe über Neurotransmitter geht es heute um das, was man in vielerlei Hinsicht als einen Gegenspieler von Serotonin bezeichnen könnte - allerdings im positiven Sinn: Dopamin.

Der Vergleich mit den Haustieren, den ich mir da überlegt habe, erscheint meiner Meinung nach ganz geeignet, denn wir alle kennen Phasen, in denen wir zufrieden und entspannt sind und Phasen, in denen wir voller positiver Anspannung und Tatendrang sind. Wer sich dazwischen bewegt, ist meistens nicht so ganz zufrieden. Viele meiner Leser wissen vom letzten Mal, wie man die Zufriedenheit und Ruhe steigert, jetzt wollen wir sehen, wie man energiegeladener und motivierter wird - dadurch, dass wir den Dopaminspiegel steigern.


Dopaminmangel-Symptome



Genau wie beim Serotoninmangel gibt es auch durch Dopaminmangel bedingt die Möglichkeit, dass wir ein an sich biochemisches Problem als "psychotherapeutisches Problem" missverstehen. Das soll nicht heißen, dass es keinen psychologischen Burnout gäbe. Allerdings kann es sein, dass man sich allein deshalb schlapp, müde und antriebslos fühlt, weil schlicht und einfach die Substanzen fehlen, mit denen der Körper Gehirnbotenstoffe zusammensetzt, die signalisieren: "Auf geht's! Mach was! Jetzt legen wir los!"

Julia Ross beschreibt in ihrem Buch "Was die Seele essen will" einige Dopaminmangel-Symptome, mit denen sich so mancher sicher identifizieren wird:

  • Man schafft es kaum, sich aus dem Bett zu bewegen
  • Es fehlt an Fokus und Konzentration, um Dinge zu erledigen
  • Bei Konfliktsituationen mit anderen findet man keine Energie, um angemessen zu reagieren
  • Man muss sich zum Sport zwingen (innerer Schweinehund)
  • Man muss manche Textabsätze zweimal lesen, weil man die Konzentration verliert
  • Man benötigt häufig Kaffee, um überhaupt in Schwung zu kommen

Wenn man solche Symptome bei sich feststellt, kann die Ursache natürlich neben einem Dopaminmangel auch an einer Unterfunktion der Schilddrüse liegen. Es gibt jedoch eine gute Nachricht: Dopamin und Schilddrüsenhormone haben einen gemeinsamen Baustein: Tyrosin.


Tyrosin ist die Basis



Tyrosin ist eine Aminosäure, also Eiweiß. In jedem Stück Fleisch, in jedem Ei und leider in viel zu niedrigen Mengen in pflanzlichen Lebensmitteln ist Tyrosin ganz natürlich enthalten. Doch genau wie beim Tryptophan (dem Baustein von Serotonin) sind in den Nahrungsmitteln erstens zu wenige Aminosäuren enthalten und zweitens konkurrieren sie teilweise miteinander.

Wer sich gut mit Ernährung auskennt und bereits erkannt hat, dass Eiweiß der Baustein des Lebens überhaupt ist, wird möglicherweise eine Chance haben, über längere Zeit seinen Dopaminmangel auszugleichen und den Dopaminspiegel wieder in zumutbare Bereiche zu bringen. Doch das dauert lange und hilft in entscheidenden Situationen nicht weiter, wenn wir wach und konzentriert sein müssen oder einen langen Tag vor uns haben.

Tyrosin ist die Basis sowohl für Dopamin (und die "Tochterprodukte" davon, nämlich Noradrenalin und Adrenalin) als auch für die Schilddrüsenhormone, die unseren Stoffwechsel auf Hochtouren bringen können. Natürlich ist der Körper immer als Gesamtkunstwerk zu verstehen. Für die Schilddrüsenhormone beispielsweise wird neben Tyrosin auch Jod und Selen benötigt. Auch Dopamin wird nur effektiv gebildet, wenn bestimmte Vitalstoffe wie Omega 3 oder Vitamin B6 in akzeptablen Mengen vorhanden sind. Dennoch: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass alleine schon Tyrosin mich zu Hochleistungen angetrieben hat.


Meine Erfahrungen mit Tyrosin



Ich fühlte mich über lange Zeiträume in meinem Leben schlapp und antriebslos. Ich las dann irgendwann darüber, dass man gerade über die Schilddrüse sehr viel anstellen kann, um hier Abhilfe zu schaffen. Ich habe meine Jodzufuhr sehr stark angehoben (auf eigene Gefahr) und zusätzlich Tyrosin und Selen zu mir genommen. Nach einigen Monaten war ich wacher und energiegeladener und wachte morgens schon sehr früh auf. Es gibt auch eine Schattenseite: Wenn ich zu viel Tyrosin auf einmal zu mir nahm, war ich geradezu nervös, zittrig, schwitzte sehr viel und konnte nicht schlafen, bis die Wirkung abgeklungen war. Aber: Wenn man richtig dosiert, hat man bei der Arbeit oder im Privatleben viel Rückenwind für alle seine Aufgaben und Aktionen.


Was stört den Dopaminspiegel?



Was man sich natürlich jetzt fragen sollte ist, was überhaupt zu einem Dopaminmangel führt bzw. welche Anzeichen es dafür gibt, dass man Dopaminmangel-Symptome überhaupt entwickeln wird.

Ein sicheres Anzeichen ist eine Sucht oder ein starkes Verlangen nach Kaffee, Schokolade oder Aspartam, einem Süßstoff. Alle drei Nahrungsmittel sind in der Lage, stimulierend auf den Körper zu wirken, und das ist das, wonach der Körper verlangt, wenn er nicht genug Energie hat.

Richtig ungünstig für den Dopaminspiegel ist es, süße und stärkehaltige Kohlenhydrate zu verzehren, weil durch das dann im Körper ausgelöste Insulin das Tyrosin und andere Aminosäuren in die Muskeln geschleust werden, statt im Gehirn zur Verfügung zu stehen. Dieser Effekt wird manchmal benutzt, um dem Tryptophan den Weg ins Gehirn freizuschaufeln, wenn man aber seinen Antrieb und seine Motivation steigern will, ist es eher nicht so gut,  so viele Kohlenhydrate mit der Nahrung aufzunehmen.

Für alle, die Serotonin und Dopamin steigern wollen: Tryptophan und Tyrosin sind Gegenspieler und ergänzen sich nicht gut. Man sollte nicht versuchen, Entspannung und Zufriedenheit zu steigern und gleichzeitig die Antriebskraft und Power zu erhöhen. Deshalb lieber zu verschiedenen Uhrzeiten oder unterschiedlichen Tagen jeweils einen Transmitter fördern.

Und genau damit haben wir wieder ein Argument, warum man eben seine Eiweißquellen wie Eier, Fleisch und Fisch eben lieber nicht mit Reis, Nudeln oder Brot kombinieren sollte.

Auch eine Reduzierung der Kalorien kann zu einem Rückgang der Katecholamine (so der übergeordnete Begriff für Dopamin und andere belebende Stoffe) führen. Wenn man auf Diät ist, kann es daher sinnvoll sein, den Dopaminspiegel durch Nahrungsergänzungsmittel zu unterstützen. Dadurch kann man einen Dopaminmangel frühzeitig ausgleichen.


Wie und wann wirkt Tyrosin?



Kommen wir zurück zum Tyrosin, dem Baustein von Dopamin. Wie lange muss man auf die Wirkung dieses Stoffes zur Steigerung von Dopamin warten?

Genau wie bei der Steigerung des Serotonins können wir auch beim Dopamin mit einer schnellen Wirkung rechnen. Während man bei Kaffee oft 45 Minuten auf die belebende Wirkung warten muss, kann Tyrosin schon in etwa 10 bis 15 Minuten aktiv werden. Die Einnahme lohnt sich also gerade dann, wenn man einen Haufen Arbeit vor sich hat oder ein Projekt anpacken will.

Im Anschluss möchte ich nun einige Tipps zu Dosierung und Einnahme zeigen, die ich ebenfalls dem Buch von Julia Ross entnommen habe.


Einnahme, Dosierung, Anwendung



Tyrosin wird oft als Kapsel eingenommen, ich finde es aber praktischer, gleich mit Pulver zu hantieren. Der Ratschlag der Psychologin Julia Ross lautet, man solle gleich nach dem Aufstehen 500 mg Tyrosin einnehmen, und zwar, bevor man Kaffee trinkt. Wenn möglich, solle man sogar auf Kaffee verzichten, was einfacher fällt, wenn man bereits eine Weile Tyrosin zur Steigerung des Dopaminspiegels einsetzt.

Verspürt man innerhalb von 30 Minuten keine Wirkung, erhöht man die Dosis um weitere 500 mg. Die Dosierung wird nochmals um 500 mg erhöht, wenn man auch dann noch nicht wach und antriebsstark genug ist. Nach Angaben der Autorin benötigen nur wenige Menschen so viel Tyrosin, und ich selbst kann bestätigen, dass ab einer gewissen Menge schon "zu viel Energie" droht, wie ich bereits oben beschrieben habe.

Außerdem ist bei der Anwendung von Tyrosin empfehlenswert, dass man morgens, vormittags und am Nachmittag solche kleineren Dosierungen von 500 bis 1500 mg zu sich nimmt. Dadurch hat man den Tag über viel Energie und übersteht auch das Leistungstief am Mittag und zum Nachmittag hin. Allerdings sollte man ab etwa 15 Uhr keine weitere Einnahme von Tyrosin anstreben, denn dann dauert die Wirkung so lange an, dass man nachts nicht so leicht einschlafen kann.


Nebenwirkungen bei Einnahme von Tyrosin



Bei der Anwendung von Tyrosin ist zu beachten, dass es Nebenwirkungen geben kann. Einige der dazugehörigen Symptome habe ich schon am eigenen Leib erlebt und vorhin geschildert. Es ist besser, die Dosis am Anfang klein zu halten und sich langsam der optimalen Dosierung zu nähern, als mit Herzrasen und Panik am Schreibtisch zu sitzen.

Zu den Nebenwirkungen kann gehören:

  • Hibbelig und unruhig werden
  • Anstieg des Blutdrucks
  • Kopfschmerzen
  • Angespanntheit
  • Zittrigkeit

Es sind sicherlich noch weitere Symptome möglich, die man sich im Bereich von Überstimulierung des Körpers so vorstellen kann. Da Tyrosin für Aktivierung und Antrieb steht, dreht der Körper entsprechend auf, und das betrifft dann eben alles, was damit zusammenhängt. Deshalb nochmals der Tipp: klein anfangen. Und immer daran denken: Tyrosin ist ein natürlicher Stoff, nur die falsche Dosis kann ihn manchmal unnatürlich wirksam machen.


Phenylalanin als Alternative oder Ergänzung



Manche Menschen sprechen besser auf Phenylalanin an als auf Tyrosin. Phenylalanin ist genau wie Tyrosin eine Aminosäure. Der Unterschied in Bezug auf Dopamin ist, dass Phenylalanin vom Körper in Tyrosin umgewandelt werden kann und somit noch eine Stufe davor kommt. Ich setze gerne beide Aminosäuren in Kombination ein, einfach nur, um bei der Steigerung meiner Antriebskraft und Motivation dem Körper verschiedene Alternativen zu bieten. Es reicht aber im Zweifel auch eine von beiden, solange man die Wirkung bei sich selbst spüren kann.


Was kann man von einer Dopaminerhöhung erwarten?



Ich habe bereits die Dopaminmangel-Symptome angedeutet. Im Umkehrschluss und aus meinen eigenen Erfahrungen heraus kann ich sagen, dass eine Dopaminsteigerung dazu führt, dass man viel wacher, fokussierter und konzentrierter ist, und wunderbarer Weise ist man nicht darauf angewiesen, dass man seinen Dopaminspiegel erst über lange Monate erhöht, sondern die Wirkung ist an jedem beliebigen Tag möglich - wann auch immer man mehr Energie und Antrieb benötigt.

Ich bin inzwischen so weit, dass ich, wenn ich einen langen Artikel wie diesen schreibe, eben nicht mehr Kaffee vorher trinke, um mich in Angriffsstimmung zu bringen, sondern Tyrosin einnehme, um in eine solche Aufbruchstimmung zu geraten. Der Versuch lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall und man fühlt sich plötzlich viel energiegeladener und wacher als zuvor. Dadurch gelingt der Alltag auch viel besser und man kriegt mehr geregelt.


Wo kann man Tyrosin und Phenylalanin kaufen?



Sowohl Tyrosin als auch Phenylalanin kann man in Pulverform bei Bulk Powders kaufen, wenn man einen Dopaminmangel ausgleichen und den Dopaminspiegel nachhaltig erhöhen will. Ebenfalls erhältlich ist das Nahrungsergänzungsmittel "Complete Stimulanz", welches aus mehreren zusammengesetzten natürlichen Stimulanzien aufgebaut ist.

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Desweiteren möchte ich noch einmal alle Interessenten ermutigen, das Buch "Was die Seele essen will" als Kauf in Erwägung zu ziehen. Meine ganzen Artikel dieses Monats sind durch die vielen Fakten und Erfahrungen aus diesem Buch inspiriert und ich konnte gar nicht alle Themen abdecken, die dort genannt werden. Wer auch nur ansatzweise Probleme mit seiner Stimmung, seiner Motivation oder mit Stress und Schmerz hat, wird hier viele sinnvolle und detaillierte Hinweise finden.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    interessanter Artikel, Danke dafür.
    Die Nebenwirkungen hören sich für mich an wie die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion, ich hatte die damals auch als ich angefangen habe Medikamente gegen meine SD-Unterfunktion zu nehmen.
    Meinst du es ist für Leute die ein SD-Leiden haben und eingestellt sind, aber dennoch gern etwas mehr Antrieb hätten, sinnvoll mit so etwas zu experimentieren, da hängt doch alles zusammen, oder nicht?
    Danke vorab, mfg Sarah

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    1. Hallo Sarah,

      ja, es hängt zusammen. Gleichzeitig denke ich, dass man schon experimentieren darf, nur eben vorsichtig. Wenn man zum Beispiel mit 500 mg anfängt, dann entspricht das dem, was man durch eiweißreiche Kost in bestimmten Lebensmitteln ja schon am Tag zu sich nehmen kann. Nur wenn man zu viel nimmt, können die Nebenwirkungen zu stark ins Negative gehen. Deshalb sollte man die Risiken sich bewusst machen und schon bei geringer Dosierung prüfen, welche positiven und negativen Folgen sich ergeben.

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