Gesund Oder Ungesund? Kritische Fragen Unserer Zeit

Eigentlich kann man heutzutage gar nicht mehr Lebensmittel besorgen, ohne verrückt zu werden. Man will gesund und nachhaltig leben, gefährliche Stoffe meiden und gleichzeitig nicht durch Angst und Sorge die eigene Lebenszeit verkürzen.

Das einzige Problem: Es gibt keinen allgemein gültigen Kompass, an dem man sich orientieren kann. Viele Studien sind subjektiv oder gar verfälscht, vieles unterliegt Glaubenssätzen oder persönlichen Meinungen, sogar Medienhetze und Manipulation durch Konzerne ist möglich und der einzig sichere Weg wäre die Abkehr von der Zivilisation und die Rückkehr zum Leben in der Natur - was wiederum die Vorteile der heutigen Zeit weitestgehend ausschließt. Ein weiteres Problem: Je mehr wir uns in Sicherheit wiegen wollen durch eine umweltbewusste Lebensweise, umso tiefer müssen wir dafür in die Tasche greifen.


Nichts scheint sicher - ein Überblick


Die Herkunft vieler Eier ist fragwürdig
Image courtesy of Salvatore Vuono / freedigitalphotos.net

Viele Stoffe, denen wir ausgesetzt sind, können ungesund und schädlich für uns sein. Damit sind nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Tabak und Abgase gemeint. Selbst Lebensmittel bis hin zum Trinkwasser können eine Gefahr darstellen - oder ist vielleicht die Angst übertrieben?

Hier ein Überblick über viele Dinge, die heutzutage für Ängste sorgen.


Wasser



Es geht schon bei diesem Element los, aus welchem wir zum größten Teil bestehen: Wasser. Die erste Frage überhaupt lautet: Woher sollen wir unser Trinkwasser beziehen? Leitungswasser gilt als das am besten kontrollierte Lebensmittel überhaupt in Deutschland, dennoch wird das Trinken von Leitungswasser in der Öffentlichkeit argwöhnisch beäugt. Viele Menschen glauben, dass Leitungswasser belastet sei und man den Rohren sowieso nicht trauen könne, Stichwort Schwermetalle, Stichwort Grundwasser etc.

Eine Alternative wäre Mineralwasser. Aber selbst dann stellt sich die Frage: Was ist überhaupt gut genug? Was ist gesund, was ist nur Geldverschwendung? Und wenn man dann schon Mineralwasser nimmt, warum nicht gleich Heilwasser? Dann bekommt man doch das Maximum an Mineralstoffen. Doch Halt! Die natürlichen Quellen sind möglicherweise kontaminiert durch Uranablagerungen im Gestein, so dass man sich auch hier nicht sicher fühlen kann.


Glasflaschen, Plastikflaschen, Edelstahl



An dieser Stelle sind wir mit dem Thema Trinkwasser noch gar nicht fertig. Die Frage ist nun, woraus wir trinken sollen. Früher oder später wird man zwangsläufig sein Wasser irgendwo abfüllen müssen. Nun geht die Angst um Weichmacher und ähnliche Stoffe um. Normale Plastikflaschen, in denen noch dazu viele unserer Lieblingsgetränke in den Markt kommen, sogar einige der Mineralwasser, sind bei vielen Leuten tabu. Glasflaschen scheinen eher unbedenklich, sind aber schwer und zerbrechlich, noch dazu muss man sie bei regelmäßigem Gebrauch reinigen, da sich sonst Bakterien bilden. Edelstahl ginge auch. Dann gibt es noch alternative Kunststoffe, doch irgendwo im Netz gibt es bestimmt auch hierfür Kritiker, oder?


Mikrowelle - ja oder nein?



Ich war vor einigen Monaten überrascht, als ich für den Gebrauch der Mikrowelle in einem Rezept-Artikel kritisiert wurde. Mir war nicht bekannt, dass es offenbar eine nicht zu unterschätzende Menge an Menschen gibt, die der Mikrowelle sehr kritisch gegenüber stehen. Nach Überzeugung dieser Menschen können Mikrowellenstrahlen Proteine verändern. Durch die Strahlung verändert sich das Eiweiß auf unnatürliche Weise und kann schädlich und ungesund werden.

Wie viel Wahrheit hinter der Gefahr der Mikrowellenstrahlung steckt, mag ich nicht zu beurteilen. Es ist jedoch ein weiterer Punkt im täglichen Leben, der einem Bauchschmerzen bereiten kann.

Kurioser Punkt am Rande: Anfang des Jahrtausends machten sich Millionen Menschen Sorgen wegen der Handystrahlung. Inzwischen ist diese Hysterie-Welle abgeflacht. Im Fernsehen sehe ich nichts mehr darüber und kaum jemand spricht noch über das Thema. Anscheinend hat das Handy einen so hohen Stellenwert in unserer Zivilisation, dass man einfach nicht will, dass es schädlich sein könnte. Es erscheint zweifelhaft, ob die gesundheitlichen Gefahren wirklich nicht existieren, oder ob man, wie beim Rauchen, einfach in selige Unwissenheit abtauchen möchte.


Eier - die Illusion der einfachen Antwort



Lange Zeit ging ich als junger Mann davon aus, dass es beim Hühnerei relativ simpel sei. Eier aus Käfigen sind nicht gut, denn Bodenhaltung bedeutet Stress und damit auch eine hohe Belastung der Lebensmittel selbst, in denen vermutlich "stressige" Hormone abgelegt sind.

Man springt dann gedanklich auf den Zug auf, dass Hühner aus Freilandhaltung automatisch gesünder wären, somit wären die Eier auch gesund und sicher. Das dachte ich so lange, bis mir ein schlauer und gebildeter Kollege vor einigen Jahren erläuterte, dass Hühner aus Freilandhaltung viel stärker mit Medikamenten belastet seien. Dies erscheint logisch, denn draußen, im Freien, ist ein Lebewesen Krankheitserregern natürlich offener ausgesetzt, als dies in einem geschlossenen Umfeld der Fall ist.

Beide Möglichkeiten erscheinen daher nicht mehr ganz so attraktiv. Was bleibt noch? Sich einem Öko-Bauern anzuvertrauen. Wem auch das nicht reicht, der muss sich selber Hühner anschaffen. Ich hätte nichts dagegen, habe aber kein Geld dafür, um überhaupt erst die Voraussetzungen hierfür zu schaffen.


Fleisch - Bio, normal, was denn nun?



Das Hauptproblem beim Fleisch ist, dass wir es ziemlich oft essen. Wenn man nun konsequent auf Bio-Fleisch setzt, dann macht das im Jahr schon mehrere Tausender Unterschied aus, aus finanzieller Sicht. Gerade die Deutschen mögen es aber billig. Man mag sich gar nicht vorstellen, was da alles an Antibiotika im Fleisch sein kann... aber man will auch nicht so viel Geld ausgeben.

Auch hier könnte man wieder auf gute Connections setzen und sich einen geeigneten Bauern suchen. Wird vielleicht schon etwas schwieriger als bei den Eiern. Und selber halten ist für die meisten von uns an dieser Stelle schon gar nicht möglich.


Omega 3 - Woher nehmen?



Wer meinen Blog schon länger liest, weiß vielleicht, dass Omega 3 aus pflanzlichen Quellen nur sehr schlecht aufgenommen wird. Allerdings sind die Fettsäuren für das Herz sehr wichtig. Eigentlich bleibt daher nur der Verzehr von Wild und Fisch als Möglichkeit übrig.

Lachs ist eine sehr einfache und beliebte Möglichkeit, an Omega 3 zu kommen. Das Problem: Zuchtlachs oder wilder Lachs? Beim Zuchtlachs gibt es, wie schon bei vielen anderen Dingen in dieser Liste, ziemlich beunruhigende Dokumentationen, die nahelegen, wie schlecht die Fische leben und ernährt werden. Da drängt sich teilweise der Gedanke auf, vom wertvollen Omega 3 sei nicht mehr viel übrig.

Da Lachs aber noch deutlich teurer ist als viele Fleischsorten, tut es umso mehr weh, nun auch noch bei diesem Lebensmittel tiefer in die Tasche greifen zu müssen.


Süßstoffe - gut oder schlecht?



Manche lieben Süßstoffe, andere hassen sie. Wie ich schon an mancher Stelle gelesen habe, werden bestimmte Studien gezielt so durchgeführt, um Süßstoffe alt aussehen zu lassen. Genauer gesagt, sie schädlich und ungesund aussehen zu lassen. Ob die Zuckerindustrie wohl dahinter steht?

Andererseits stellt sich hier ein häufiges Problem, was sicher auch auf andere Aspekte dieser Liste anzuwenden ist: Man müsste stundenlang Studien lesen, in englischer Fachsprache, tonnenweise, müsste Hintergrundinformationen haben, müsste sich in Chemie auskennen, um all diese Studien richtig einzuordnen und sich eine fachgerechte Meinung zu bilden. Also? Entweder man glaubt das eine, oder das andere. Echtes wissen ist in vielen Fällen wohl nicht möglich.


Soja - gesund oder ungesund?



Selbst beim eigentlich so beliebten Öko-Lebensmittel Soja, einem Nahrungsmittel besonders für Vegetarier und Veganer, gibt es Kontroversen. Soja sei gefährlich, sagen viele, weil es angeblich Krebs erregen könne oder hormonell unerwünschte Effekte auslösen könnte.

Ich versuche da logisch zu denken: Zumindest in fermentierter Form werden Soja-Produkte seit Jahrtausenden in Asien verspeist, und dort scheint es keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen zu geben. Doch diese Argumentation reicht vielen Menschen nicht, denn Asien ist ja nicht Deutschland und die Lebensweisen sind so unterschiedlich, dass negative Folgen des Soja-Konsums durch die unterschiedliche Art zu leben wieder ausgeglichen werden könnten.


Wie geht man mit all diesen Ängsten um?



Diese Frage stelle ich mir inzwischen immer öfter. Was tun, wenn sich die Sorgen um bestimmte Lebensmittel häufen? Nun, zunächst einmal glaube ich nicht, dass irgendjemand die letztendliche Antwort haben kann. Wahrscheinlich werde ich einige Kommentare für diesen Artikel ernten, in denen die Leser ihre spezielle Sichtweise erläutern werden und warum bestimmte Lebensmittel tatsächlich gefährlich seien. Doch seien wir mal ehrlich: Wer blickt denn zwischen den Manipulationen, der Panikmache der Medien, den wirtschaftlichen Interessen von Firmen und legitimen und vermasselten Studien in englischer, chinesischer oder japanischer Fachsprache noch durch? Wer kann einen absolut unvoreingenommenen Einblick geben? Keiner. Das heißt natürlich im Umkehrschluss nicht, dass man alles ignorieren sollte.

Hier jedoch ein paar Dinge, die bei der Beurteilung der Frage helfen können, wie wir mit unseren Sorgen umgehen können:


  • Die Ängste, die man hat, dürfen nicht unverhältnismäßig sein, sonst schaden wir unserer Gesundheit durch den Stress noch mehr
  • Wir haben ein Luxusproblem - die meisten Menschen auf der Welt denken beispielsweise gar nicht über Plastikflaschen und Wasser nach!
  • Nur wer sich die jeweilige Alternative auch finanziell leisten kann, sollte sich entsprechende Gedanken machen
  • Man sollte von groß nach klein ordnen - welche Lebensmittel haben den größten Einfluss auf meine Gesundheit? Kümmere ich mich überhaupt um das große Ganze, meinen Körper, und die Mikronährstoffe, die er benötigt, um mir über kleinere Dinge sorgen zu machen?
  • Wer sich um das große Ganze kümmert, dessen Körper kann Schadstoffe besser abwehren
  • Wie viel Geld bin ich bereit, zu investieren, und wie radikal will ich meinen Weg gehen (z.B. Abkehr vom Stadtleben etc.)


Für mich ist wichtig, hier keine Panik zu verbreiten, sondern zu zeigen, dass die meisten Dinge in irgendeiner Form von unseren Denkweisen abhängen. Das allermeiste dessen sind doch Glaubenssätze, und irgendwo hat jeder ein Stückchen Recht. Jeder muss am Ende selbst entscheiden, wie konsequent er seine Meinung umsetzt und seinen Glaubenssätzen folgt. Amen.

1 Kommentar:

  1. Na, das ist doch mal was. Genau richtig für mein Gedankenkarussell bei diesen Themen.
    Danke :-)

    AntwortenLöschen

Hinweise zu den Kommentaren:

-bitte nur konstruktive und nicht zynische, böswillige oder ähnliche Kommentare. Ich bin auch nur ein Mensch.
-auch gut gemeinte Kommentare werden eventuell nicht veröffentlicht, wenn eine kommerzielle Absicht erkannt wird (Backlinks, gepostete Adressen).
-die Freischaltung kann eine Weile dauern.

Plugin für ähnliche Posts bei WordPress, Blogger...