Ernährungsbehörden Entlarven Sich Selbst

Schon als junger Mann habe ich manche Ernährungsrichtlinien nicht verstanden. Als ich ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte, ging es mir nicht so recht in den Kopf, warum mein schwerst mehrfach behinderter Schützling (unter anderem Trisomie 13, Epilepsie, zusammengewachsene Gliedmaßen, Blindheit, geistige Behinderung) mit Diabetes ausgerechnet so viele Kohlenhydrate zu sich nehmen sollte. Weshalb wir ihn immer zwischen Blutzuckerspiegel 23 und 300+ hin und her quälten. Warum man da nicht einfach mal stabile Ernährung einsetzen könnte mit nur geringen Insulinspritzen... damals dachte ich, dass ich wohl noch zu jung und ungebildet sei, um den Sinn zu verstehen.

Für mich hat sich inzwischen das Prinzip der selbst erlebten Erfahrung bewährt. Ich rede nicht mehr nur theoretisch daher, sondern probiere Dinge aus. Ich weiß also selbst, was gut für mich ist und was nicht. Daher weiß ich zum Beispiel, dass man mit gemäßigten bis geringen Mengen an Kohlenhydraten gut leben kann und dass es mir persönlich sogar besser geht als vorher.


Die deutsche Mentalität


Ernährungsbehörden
image courtesy of Mister GC / freedigitalphotos.net

Leider gibt es in Deutschland insgesamt eine andere Einstellung zu solchen Themen. Und mit "solchen Themen" meine ich generell alles, was neu, anders oder ungewöhnlich ist. Wir Deutschen sind nämlich zuerst Skeptiker, die in allem eine Gefahr sehen. Wir verlassen uns lieber auf bewährte Methoden, die von Behörden und staatlichen Unternehmen abgesichert und befürwortet werden. Also zum Beispiel Sparbuch statt Aktien.


Bei der Ernährung läuft es ähnlich. Selbst dann, wenn man mit einer "ungewöhnlichen" Methode wie low carb abnimmt, sich besser fühlt, eindeutig schlanker ist und viel Lob dafür erntet, werden bei genauerer Erläuterung der Abnehmmethoden oft erhebliche Zweifel von außen laut:


  • Das kann doch gar nicht gesund sein
  • Ich habe gehört, Eiweißpulver greift die Niere an
  • Da bekommst du aber Mangelerscheinungen!


Und so weiter. Komisch, dass sich plötzlich jeder so gut auskennt. Und das ohne eigene Erfahrungen. Manchmal kommen die Ratschläge sogar von stark Übergewichtigen. Woher kommt das? Die Antwort: Ernährungsbehörden und Medien.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält seit vielen Jahrzehnten an denselben Richtlinien fest, und seltsamerweise scheinen die allgemeingültig zu sein und ändern sich nicht. An sich wäre das für mich kein Problem, denn jeder muss selber wissen, ob er damit gesund und glücklich werden kann. Aber wenn man sich dann abseits dieser Richtlinien ernährt, kann man eigentlich kaum noch offen darüber reden, ohne "Ratschläge" von Bekannten zu bekommen (siehe oben).

Doch richtig interessant wird es immer dann, wenn eine Behörde sich selbst entlarvt. Dr. Strunz hat hierüber kürzlich einen sehr interessanten Artikel geschrieben: Systeme scheinen unverwundbar.

Hintergrund ist eine Broschüre der Berliner Krebsgesellschaft e.V. mit verschiedenen Ratschlägen zur "richtigen Ernährung" bei Krebs. Ich hatte ja bereits einmal über Krebs geschrieben.

Faszinierend ist die Argumentation für und gegen bestimmte Ernährungsformen. Dabei setzt die Krebsgesellschaft folgende Logik ein:


  1. Die Ernährung spielt bei der Behandlung von Krebs eine entscheidende Rolle (vor, nach und während der Krebstherapie)
  2. Eine spezielle Krebsdiät ist nicht nötig. Jeder soll essen, was er will, solange der Arzt nichts dagegen hat
  3. Gleichzeitig soll man sich aber auch irgendwie an die Richtlinien der DGE halten (?!)
  4. Letztendlich ist es vollkommen egal, was man isst, denn es gibt ja sowieso keine Beweise, dass die Ernährung irgendeinen positiven Einfluss auf den Krebs hat.
  5. Eine ketogene Ernährung ist Teufelszeug und muss unbedingt vermieden werden, denn bekanntlich bekommt man davon ja Mangelerscheinungen.


Wer diese Punkte einfach mal der Reihe nach durchgeht, kann sich selbst sicher sein eigenes Bild machen, ohne das ich das jetzt kommentieren muss. Seltsam ist auch, dass ich im englischsprachigen Netz immer wieder nachlese, dass Krebs durch Zucker ernährt wird und es durchaus sinnvoll sein kann, Kohlenhydrate in der Ernährung zu begrenzen - was natürlich nicht heißt, dass man auf Chemotherapie verzichten sollte. Doch ersteres darf man in Deutschland nicht laut sagen, denn dann fühlen sich all diejenigen verletzt, die Kohlenhydrate für unumstößlich und lebensnotwendig halten.

Ich komme noch einmal auf meinen ersten Absatz zurück: Als FSJler gingen mir bestimmte Dinge nicht in den Kopf. Dasselbe gilt für mich als Schüler im Bio-Unterricht. Der Lehrer sagt: Stärke aus Brot verwandelt sich schon im Mund zu Zucker. Das ist keine wilde Verschwörungstheorie! Warum also wird Vollkorn so heilig gehalten? Die Vorteile gegenüber Zucker sind überschaubar und beschränken sich meiner Meinung nach auf einen minimal langsameren Blutzuckeranstieg, einen nicht ganz so heftigen Abfall dessen, und auf vielleicht ein paar Gramm Ballaststoffe mehr. Das war's schon...

Sollten wir weiter auf die Ernährungsbehörden hören und so weitermachen wie bisher?  Das können wir machen... bloß nichts Neues ausprobieren, könnte ja gefährlich sein. Andererseits: Wo wären wir Menschen, wenn wir es immer gelassen hätten?

Was der Bauer nicht kennt...

Kommentare:

  1. Hi Michael,
    ich habe auch erst vor einem Jahr damit begonnen umzudenken und ernähre mich seitdem nach Paleo und meine persönlichen Erfahrungen damit lassen die Empfehlungen der DGE ziemlich blass aussehen. Vor ein paar Wochen habe ich dann auch noch angefangen mich mit dem intermittierenden Fasten auseinanderzusetzen und kann auch das nur empfehlen, obwohl es sich komplett gegenläufig zu den allgemeinen Empfehlungen verhält.
    Gruß Micha

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  2. Wir dürfen auf gar keinen Fall so weiter machen wie bisher. Wichtig ist es auf sich selber, die eigene EIngebung und den eigenen Körper zu hören. Uns wird gesagt was gut ist und was nicht. Deswegen glaub an Dich!

    LG Damian

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    1. Hallo Damian,

      richtig so! Man muss mehr auf den eigenen Körper hören, auch mal was Neues ausprobieren und mutige Entscheidungen treffen. Ich habe dem Low-Carb-Lebensstil eine Chance gegeben und merke seitdem, dass es mir viel besser geht, wenn ich nicht ständig von Zucker abhängig bin und mich von nicht einem Zuckerloch ins nächste retten muss (Brot, Brötchen, Kuchen etc.).

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