Abnehmen Ist Kopfsache!

Keine Sorge, das hier wird keiner dieser Artikel mit Tipps wie "benutzen Sie kleine statt großen Tellern". Ich will auf etwas anderes hinaus.

In letzter Zeit sind mir die Ähnlichkeiten zwischen Abnehmen und mit dem Rauchen aufhören klar geworden, und das, obwohl ich noch nie eine Zigarette geraucht habe.

Neulich sah ich den Film Super Size Me, den einige von euch sicher kennen werden. Es geht um einen schlanken Amerikaner, der 30 Tage lang nur Nahrung von McDonald's zu sich nimmt, und dessen Körperfettanteil in dieser Zeit von 11 auf 18 Prozent steigt. Obwohl einige der Verhaltensweisen im Film sicher extrem sind (essen bis zum Erbrechen zum Beispiel), gibt es einige interessante Punkte, die sich jeder Mensch durch den Kopf gehen lassen sollte, der mit seinem Gewicht zu kämpfen hat.

Ein ganz großer Punkt dabei war das Thema "Sucht". Ein Wissenschaftler in der Dokumentation erklärte, dass das menschliche Gehirn bei Gabe eines "Heroin-Blockers" nicht nur die Höhenflüge des Heroins stoppte, sondern auch Appetit auf null setzte. An dieser Stelle will ich heute weitere Gedanken einbringen.


Abhängigkeiten, Süchte und Entzugserscheinungen


Abnehmen ist Kopfsache
Image courtesy of samuiblue / freedigitalphotos.net

Abnehmen beginnt im Kopf. Abnehmen ist Kopfsache - unter anderem. Natürlich muss man auch ein paar Dinge wissen, beispielsweise auch, dass Kalorienzählen von gestern ist und nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was eine Diät erfolgreich macht.

Aber es gibt Aspekte, die man sich schon vergegenwärtigen muss. Wenn man diese Dinge nicht berücksichtigt, dann wird man sich irgendwann selbst manipulieren, Ausreden erfinden und sich am Ende mit Aussagen zufrieden geben wie "ich kann jederzeit abnehmen, wenn ich das wirklich will" oder "sobald ich Zeit / weniger Stress / nicht mehr so viel um die Ohren habe, kümmere ich mich um mein Gewicht".

Kennen wir diese Aussagen nicht irgendwo her? Klar doch. Besonders das "wenn ich wirklich wollte, könnte ich..." ist ein sehr beliebtes Zitat von Rauchern.

Immerhin brauchen wir uns nicht zu große Vorwürfe machen, denn das alles dient dem Selbstschutz, besser gesagt dem Schutz des Ego. Irgendetwas in uns übernimmt die Kontrolle und hindert uns am Gewichtsverlust, und dann möchte man natürlich nicht mit gesenktem Kopf durch die Gegend laufen. Aber was genau passiert eigentlich?

Eines der größten Probleme beim Abnehmen ist, dass zu Beginn der Diät noch Abhängigkeiten und Süchte bestehen. Es gibt eindeutige Unterschiede zwischen dem Beginn der Abnehmphase und einem beliebigen Zeitpunkt mittendrin (zum Beispiel nach zwei Wochen erfolgreichen Abnehmens).

Es kann beispielsweise passieren, dass man den Entschluss fasst, abzunehmen, wenn man gerade schwer gesündigt hat. Kuchen, Torte, Fast Food oder ähnliches gab es in großen Mengen, und danach möchte man möglichst sofort einen Schlussstrich setzen. Doch ehe man sich versieht, steht man schon wieder im Supermarkt und kauft sich Süßigkeiten - weil man Stress, Kohldampf oder Schmacht hat.


Die "Override"-Funktion des Gehirns



Der Begriff Override wird im Englischen dafür benutzt, wenn ein Teil eines Systems übersprungen werden soll. Man kann das Wort in etwa mit "Überbrückung" übersetzen. Wenn man an einer akuten Schokoladensucht leidet, dann scheint es so, als ob das Gehirn so starke Sucht-Signale entwickelt, dass jeglicher "Wille", auf Schokolade zu verzichten, überbrückt oder übersprungen wird. Das Gehirn nimmt also eine Abkürzung und überspringt den Prozess des objektiven, sachlichen Abwiegens - "soll ich, soll ich nicht". Stattdessen übernimmt der Autopilot.

In diesem Augenblick geht man also wie ein ferngesteuerter Roboter in den Laden und kauft sich seine Schokolade. Manchmal kommen bewusste Rechtfertigungen dazu: "Wenn ich das jetzt nicht esse, sterbe ich".

Irgendwann, wenn man die Schokolade dann gegessen hat, gibt es ein kurzes Hoch. Die Genugtuung, sich mit Schokolade vollgestopft zu haben. Die Reue kommt dann später, aber "ich kann ja später noch abnehmen".

Diesen Override auszuschalten, ist gar nicht so einfach. Zuerst einmal muss man wirklich anerkennen, das Abnehmen Kopfsache ist. Und dann muss man quasi planen, wie man die eigenen Süchte bekämpft.


Zwei Wege zum Ziel



Es gibt zwei Wege, die man gleichzeitig gehen muss, um Abhängigkeiten, Süchte und Entzugserscheinungen loszuwerden. Es reicht nicht, nur eine der Methoden zu benutzen, es müssen beide sein.

Es gibt einerseits die physiologische Methode. So nenne ich jetzt einfach mal die tatsächliche Stabilisierung des Blutzuckerspiegels. Also nichts Ausgedachtes, sondern echte biologische Vorgänge. Dazu gibt es verschiedene Maßnahmen. Für manche ist es radikaler Verzicht auf Kohlenhydrate (ähnlich wie bei Rauchern, die über Nacht aufhören), für andere ist es Obst statt Süßigkeiten, Schwarzbrot statt Chips, also die langsame Entwöhnung von einer schlechten Kohlenhydrat-Quelle zu einer etwas gemäßigteren.

Doch das ist eben nur einer der Wege. Wenn man nur sachlich kalkuliert, dann lässt man die Emotionen links liegen, doch man braucht positive Emotionen. Das Gefühl muss man mitnehmen!

Deswegen ist es unglaublich wertvoll, eine Gedankenwelt aufzubauen und sich Vorbilder zu nehmen. Aussehen zu wollen wie eine bestimmte Person, ein Star, das kann helfen. Es kann auch sein, dass man wieder so aussehen will wie früher, als man mal schlank war. Also kann man sich selbst zum Vorbild machen - eine Rückkehr zu einem früheren Zustand als Ziel ausgeben.

Wenn man diese Gedanken im Unterbewusstsein verankert, dann werden dadurch zusätzliche Energien freigesetzt, gleichzeitig sind die Abnehmmethoden, die man einsetzt, viel verbindlicher und dienen einem Ziel, welches nicht nur durch Worte, sondern auch durch Bilder und Gefühle unterstützt wird.


Abnehmen zur Priorität Nummer 1 machen



Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass es Lebensphasen gibt, in denen ich nicht abnehmen kann, und zwar deshalb, weil die Ausreden einfach zu stark sind und sogar eine gewisse Berechtigung haben.

Wenn jemand gerade eine neue Arbeitsstelle angefangen hat und unter besonderem Stress steht, dann ist es vielleicht gar nicht so schlecht, das einfach einmal anzuerkennen. Dann liegt die Priorität eben darin, sich dort einzufinden und die Arbeitsabläufe einzustudieren. Dann darf es vielleicht auch mal Eiscreme nach der Arbeit sein.

Wenn man dann aber mit aktuellen Themen durch ist - eine Hochzeit, ein Urlaub, eine neue Arbeit, was auch immer - dann muss man einen Zeitpunkt finden, an dem man sich entscheidet, abzunehmen. Dann muss klar sein, dass es an einem bestimmten Tag X losgeht.

Von dort ausgehend muss man dann Ziele setzen. Diese sollten nicht zu hochgestochen sein und auch nicht größenwahnsinnig sein. Statt sich also monatelanges Fasten aufzuerlegen, lieber kleine Ziele setzen, zum Beispiel "3 Tage absolut no carb". Damit kann man das Schlimmste an Zuckersucht hinter sich bringen. Eine andere Lösung wäre die Übergangslösung nach dem Motto "Bei Heißhungerattacken immer ein Apfel, so viel ich möchte, aber nichts anderes". Auch so geht es, habe ich selbst getestet!

Von da aus kann man dann weitere Ziele formulieren: "Eine ganze Woche low carb, nur 3 Mahlzeiten am Tag, viel trinken, Ernährungstagebuch führen". Auch hier gibt es natürlich auch andere Ziele, die man festlegen kann.

Es sind sehr viele Gedankengänge involviert, was wieder einmal beweist: Abnehmen ist Kopfsache.


Fazit zum Thema "Abnehmen im Kopf"



Hier noch einmal eine kleine Zusammenfassung meiner heutigen Gedanken zum Abnehmen:


  • Wer mit dem Abnehmen anfängt, hat besondere Widerstände zu überwinden, dazu gehören auch Süchte und Abhängigkeiten. Diese Zustände vergehen aber nach einer Weile und ziehen sich nicht monatelang durch die Diät, wenn man alles richtig macht!
  • Wenn man Süchte abbauen will, muss man echte biologische Veränderungen durchführen. Also die Ernährung umstellen und nicht nur im Kopf auf stur stellen!
  • Zusätzlich muss man aber auch die Emotionen mitnehmen, das schafft man durch Visualisierung des Idealzustands, indem man sich entweder ein Bild von sich selbst, oder von jemand anderem als Ziel vorstellt.
  • Es darf keine Ausreden und Ausflüchte geben. Abnehmen muss den höchsten Stellenwert im Alltag haben, zumindest immer dann, wenn es um Ernährung geht. Und ja, das schließt auch Geburtstage und Einladung von Kollegen zum Essen ein - man muss nur um Verständnis bitten und wissen, wie weit man gehen darf, bevor man seine Diät abbricht.


Vielleicht klingen meine Worte heute etwas streng, aber was ich vermitteln will, ist die Entschlossenheit und der Wille, die zum Abnehmen dazugehören. Abnehmen ist Kopfsache - nicht ausschließlich, aber zu einem gewissen Teil schon! Doch das hat auch Vorteile: Mit der richtigen Einstellung ist viel möglich, und am Ende kann man stolz darauf sein, dass man es eben nicht durch Glück oder äußere Zustände geschafft hat, sondern deshalb... weil man selbst das Richtige getan hat!

Kommentare:

  1. Das kann ich nur bestätgen. X Diäten die mit Jojo abgeschlossen wurden.
    Geklappt hat es erst als der Schlter im Kopf umgelegt wurde, als ich mit der ganzen Kraft meiner Seele mich einem neuen Leben zugewant habe. 30 kG hat die Kopfarbeit weggebracht.
    Seid 3 Jahren gelingt es mir mit Kopfarbeit das Gewicht zu halten.
    Ueberal ist es der Kopf, bei der Vermeidung unsinniger Nahrung und bei Sport im Regen.

    Es war schweer, es ist schweer. Es gibt keinen Weg zurück, auch das ist eine Kopfentscheidung.

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  2. Der Vergleich dazu, mit dem Rauchen aufzuhören und seine Essgewohnheiten zu verändern, hinkt und erscheint nur im ersten Augenblick logisch. Ich habe mehr als ein Jahr nach 'low carb' gelebt und vor genau zwei Monaten mit dem Rauchen (nach 25 Jahren) aufgehört.

    Es gibt einen großen Unterschied: Rauchen ist eine Sucht, Essen ist lebensnotwenig. Das Essen kann ich über die richtigen Nährstoffe und eine entsprechende Menge so optimieren, dass ich abnehme und mich schlichtweg gesund ernähre. Beim Rauchen allerdings bleiben auch nur drei Zigaretten pro Tag eine Sucht. Es geht bei der Überwindung der Sucht darum, sie aus dem Leben herauszuschreiben, da sie nicht lebensnotwendig ist. Essen ist das sehr wohl. Und genau hierin liegt das Problem: Man muss sich rund um die Uhr disziplinieren, ein Leben lang, darf nur selten einer Versuchung verfallen, wenn man den Esssünden nicht zum Opfer fallen und wieder schleichend zunehmen möchte.

    Es muss in jedem Fall KLICK machen und das ist ein Teil Kopfsache, aber dann braucht es Diszilin, den eisernen Willen und das Erleben der Vorzüge einer gesunden Ernährung.

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    1. Hallo Hilde,

      danke für deine Meinung. Da du sowohl das Rauchen als auch die Ernährungsumstellung kennst, kannst du es sicher gut einschätzen.

      Ich glaube, die Parallele zwischen Rauchen und Ernährung liegt darin, dass Zucker ein Problem sein kann. Da ist hohes Suchtpotenzial vorhanden, und industrieller Zucker ist wie Tabak nicht notwendig.

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    2. Da stimme ich dir uneingeschränkt zu.

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