Tyraminhaltige Lebensmittel, Tyraminintoleranz Und Tipps Zum Umgang Damit

Dieser Artikel befasst sich mit Tyramin, der Tyraminintoleranz und welche Lebensmittel tyraminreich und tyraminarm sind. Am Ende des Artikels gibt es zusätzlich noch Tipps und Tricks, wie man den Tyramingehalt der Nahrung durch Einhaltung einiger Regeln gering hält. Dies sind die Themen dieses Artikels:

  • Was ist Tyramin?
  • Tyraminintoleranz einfach erklärt
  • Tyramin - Risikobereich in Milligramm
  • Tyraminhaltige Lebensmittel und Nahrungsmittel
  • Tyraminarme Lebensmittel und Nahrungsmittel
  • Tipps für die Lagerung, Aufbewahrung und Zubereitung von Lebensmitteln

Am Ende des Artikels sind betroffene Leser dazu eingeladen, über ihre Erfahrungen mit Tyraminintoleranz zu sprechen und vielleicht ebenfalls Tipps zu geben!


Was ist Tyramin?


Tyraminhaltige Lebensmittel und Tyraminintoleranz
Image courtesy of Suat Eman / freedigitalphotos.net

Tyramin ist, einfach gesagt, ein Stoffwechselprodukt von Ammoniak. Manche Lebensmittel enthalten es von Natur aus, andere Nahrungsmittel bilden es aufgrund von Gärungsprozessen und Fermentation und haben deshalb einen erhöhten Tyramingehalt. Dies trifft beispielsweise auf Sauerkraut und bestimmte Käsesorten zu. Alterung und Verderben von Lebensmitteln können ebenfalls den Tyramingehalt in der Nahrung erhöhen.

An sich ist Tyramin nicht schädlich oder gefährlich, da es vom Körper abgebaut werden kann und nur extrem selten in einer Dosierung eingenommen wird, die giftig auf den Körper wirkt. Manche Menschen sind jedoch nicht in der Lage, Tyramin abzubauen, was verschiedene Gründe haben kann. Sie erleiden dann Nebenwirkungen wie den Cheese Effect bzw. die hypertensive Krise.


Tyraminintoleranz einfach erklärt



Da Tyramin normalerweise vom Körper selbst abgebaut wird, liegt bei einer entsprechenden Intoleranz eine Störung vor. Diese kann entweder körpereigen oder durch medikamentöse Eingriffe beeinflusst sein. In ersterem Fall wäre dies beispielsweise dadurch erklärbar, dass eine genetische Disposition vorliegt, wonach der Körper einzelne Enzyme nicht bilden kann, die Tyramin abbauen würden. In letzterem Fall blockieren Medikamente diese Prozesse. Man spricht dann meistens von einem MAO-Hemmer.

Eine Tyraminunverträglichkeit muss abgegrenzt werden von der ähnlich gelagerten Histaminintoleranz. Ähnliche Lebensmittel können nämlich für beide Unverträglichkeiten verantwortlich sein.

Sehr typisch für Tyraminintoleranz können folgende Symptome sein:

  • Hoher Blutdruck
  • Bohrende Kopfschmerzen
  • Kapillarverengung an der Stirn bis hin zum Gehirn
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Hohe Lichtempfindlichkeit
  • Empfindlichkeit gegenüber anderen Sinneseindrücken
  • Übelkeit
  • Brustschmerzen
  • Schlaganfall-Symptome
  • Schwitzen
  • Herzschlag erhöht

Zur sicheren Abklärung ist es dringend ratsam, mit einem Arzt zu sprechen. Bei besonders hohem und gefährlichem Blutdruck spricht man von einer hypertensiven Krise. Im englischsprachigen Raum wird der laienhafte Ausdruck Cheese Effect (Käse-Effekt) oder Cheese Crisis (Käse-Krise) dafür verwendet, obwohl die hypertensive Krise nicht nur durch Käse hervorgerufen wird.

Der Käse-Effekt oder die Käse-Krise ist dann dadurch gekennzeichnet, dass der systolische Druck (der erstgenannte Wert bei der Blutdruckmessung) um 30 mmHG steigt, während der diastolische Wert auf mehr als 120 mmHG steigen kann. In seltenen Extremfällen kann dies zu Organschäden und Schlaganfall führen.

Sollte die Störung im Stoffwechsel nicht beseitigt werden können oder muss für bestimmte Zeit ein enzymhemmendes Medikament eingenommen werden, muss der unter Tyraminintoleranz leidende Patient dafür Sorge tragen, tyraminreiche Lebensmittel zu meiden und tyraminarme Nahrungsmittel zu bevorzugen. Auch Lagerung und Verarbeitung der Nahrung spielt eine wichtige Rolle. Doch dazu später mehr!


Tyramin - Risikobereich in Milligramm



Von der kurz zuvor genannten englischsprachigen Seite habe ich mir die Risikowerte geholt, die aussagen, ab welcher Einnahme von Tyramin man mit welchen Symptomen rechnen muss. Wie viel Tyramin in einem Lebensmittel steckt, ist jedoch sehr unterschiedlich.

Die Aussagen habe ich mit einer weiteren Quelle ergänzt und daraus ergeben sich folgende Werte für Menschen mit und ohne Tyraminintoleranz:

Tyraminaufnahme in mg bei gesunden Menschen bei Menschen mit Tyraminintoleranz
6-8 mg keine Auswirkung erhöhter Blutdruck und Puls, Übelkeit, manchmal Erbrechen
10-25 mg keine Auswirkung leichte bis schwere Kopfschmerzen, manchmal Gehirnblutungen
mehr als 25 mg keine Auswirkung Hypertensive Krise
50 bis 500 mg meistens noch verträglich Hypertensive Krise, Schlaganfallgefahr
800 bis 2000 mg toxische Erscheinungen, Tyraminvergiftung Hypertensive Krise, Schlaganfallgefahr, Tyraminvergiftung

Natürlich ist die Tabelle mit ihrer Einschätzung etwas ungenau und subjektiv. Jeder Mensch reagiert anders, und ständig messen kann man den Tyramingehalt jedes gekauften Nahrungsmittels sowieso nicht. Was jedoch deutlich werden sollte, ist der drastische Unterschied in der Einnahmemenge, der gesunde Menschen von Tyraminintoleranz-Leidenden trennt. Wichtig ist vor allem der richtige Umgang mit der Gefahr.


Tyraminhaltige Lebensmittel und Nahrungsmittel



Die Grenzen zwischen tyraminreichen und tyraminarmen Nahrungsmitteln sind fließend, denn der Tyramingehalt variiert stark. Er lässt sich sicherlich auch nicht pauschal festlegen. Keine Banane ist genau wie die nächste, und selbst der Reifegrad von Lebensmitteln ändert sich quasi stündlich.

Dennoch soll die folgende Lebensmittelliste hier Aufschluss geben. Diese Liste umfasst sehr tyraminreiche Nahrungsmittel und Nahrung mit gemäßigtem Tyramingehalt. Insgesamt sollte man diese Speisen und Getränke meiden oder nur in geringen Mengen einnehmen.

Tyraminreiche und überdurchschnittlich tyraminhaltige Lebensmittel:

  • Reife und alternde Käsesorten
  • Wurstwaren
  • Haltbar gemachte oder getrocknete Fleischsorten
  • Hefe und Sauerteig
  • Wein
  • Bier
  • Fermentierte Lebensmittel
  • Geräucherte Nahrungsmittel wie beispielsweise Räucherfisch
  • Überreife Früchte
  • Große Mengen an Schokolade
  • Nüsse und Samen

Viele tyraminreiche und stark tyraminhaltige Lebensmittel zeichnen sich also dadurch aus, dass sie einem Reifungsprozess, Gärungsprozess oder einer sonstigen Verarbeitung, Haltbarmachung oder Alterung unterliegen. Lediglich die Nüsse haben mich überrascht. Vielleicht muss man sich diese als "lange gereifte Früchte" vorstellen, um den hohen Tyramingehalt zu verstehen.


Tyraminarme Lebensmittel und Nahrungsmittel



Komplett tyraminfreie oder tyraminlose Nahrungsmittel gibt es wohl eher selten, aber dennoch kann man einige tyraminarme Lebensmittel finden.

Die gute Nachricht ist, dass auch bei den Speisen, die eigentlich gemieden werden sollten, noch Ausnahmen möglich sind. So gibt es beispielsweise Frischkäse, der nicht ewig reift, und statt Wurst kann man doch gerne frisches Fleisch als Alternative nutzen.

Deshalb hier einige tyraminarme Lebensmittel zum Vergleich:

  • Frisch gekauft und zeitnah zubereitet: Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier
  • Fettarme Vollmilch
  • Käse: Hüttenkäse, Ricotta, fettarme Käsesorten, frische Käsesorten
  • Nudeln
  • Müsli
  • Die meisten Brotwaren
  • Die meisten Gemüsesorten
  • Früchte, die kurze Transportwege und wenig Lagerzeit hatten
  • Nicht-alkoholische Getränke mit möglichst wenig Koffein
  • Öle und Fette

Insgesamt lässt sich sagen, dass es mehr tyraminarme als tyraminreiche Lebensmittel gibt. Außerdem sollte jede seine eigenen Erfahrungen machen. Man braucht also keine Angst vor exotischen Früchten haben, solange man diese in vorsichtigen Mengen zu sich nimmt und testet, ob es zu Verträglichkeitsproblemen kommt. Ein Blutdruckmessgerät ist hier sehr nützlich. Pauschale Vorsicht und Verbote sind manchmal übertrieben.


Tipps für die Lagerung, Aufbewahrung und Zubereitung von Lebensmitteln



Wer eine Tyraminintoleranz hat, sollte bei seiner Diät nicht nur auf den Tyramingehalt seiner Lebensmittel beim Kauf achten, sondern insbesondere Lagerung, Aufbewahrung und Zubereitung im Auge behalten.

Deshalb können die folgenden Tipps und Tricks nützlich sein:

  • Häufig Nahrungsmittel aus der Region kaufen - diese sind frisch und haben durch kurze Transportwege noch nicht so viel Tyramin aufgebaut (geringe Reifezeit)
  • Saisonal und abwechslungsreich essen: Kürbis im Herbst, Spargel im Frühjahr. Dadurch kann man den hohen Tyramingehalt aus Konservendosen umgehen.
  • Mehrmals pro Woche einkaufen und Lebensmittel schnell verbrauchen.
  • Nahrung entweder schnell essen oder sofort in den Kühlschrank packen
  • Essen nicht bei Zimmertemperatur lagern, auch wenn dies sonst üblich wäre. Bei Lagerung im Kühlschrank können die Reifeprozesse bei Pflanzen und das Verderben von Fleisch hinausgezögert werden.
  • Lebensmittel nicht mehr als ein paar Tage im Kühlschrank aufbewahren.
  • Beim Kauf auf das Verfallsdatum achten.
  • Bei möglichen Risiko-Lebensmitteln nur kleine Portionen einnehmen, diese Nahrung dann isoliert einnehmen, damit man im Zweifelsfall weiß, was man verträgt und was nicht. Mit Blutdruckmessgerät nachmessen!
  • Schriftlich festhalten, was man verträgt und was nicht, um den eigenen Körper besser zu verstehen.

Diese Hinweise sollten helfen, eine tyraminarme Diät unter Berücksichtigung der geeigneten Nahrungsmittel einzuhalten.

Wie sonst auch, gilt natürlich hier ebenfalls: Im Zweifel immer mit dem Hausarzt sprechen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweise zu den Kommentaren:

-bitte nur konstruktive und nicht zynische, böswillige oder ähnliche Kommentare. Ich bin auch nur ein Mensch.
-auch gut gemeinte Kommentare werden eventuell nicht veröffentlicht, wenn eine kommerzielle Absicht erkannt wird (Backlinks, gepostete Adressen).
-die Freischaltung kann eine Weile dauern.

Plugin für ähnliche Posts bei WordPress, Blogger...