Ernährung In Den Medien

Die folgenden Überschriften und Kernaussagen stammen alle vom Internet-Magazin T-Online.de und sind noch dazu alle aktuell:

Paleo-Diät: Macht die Steinzeitkost wirklich schlank?

Getreidefreie Ernährung nicht unproblematisch
Körper hat andere Bedürfnisse als in der Steinzeit

Krebsprognose 2025: Zahl der Neuerkrankungen könnte auf 20 Millionen steigen

Regierungen sollten mehr zur Krebsbekämpfung tun

Rezept des Tages: Bandnudeln mit Äpfeln und Sahne

Kohlenhydrate pro Portion: 70 Gramm


Vielleicht hätte ich die Überschriften und Aussagen mal durcheinander würfeln und von meinen Lesern neu sortieren lassen sollen. Aber mach ich gleich selber.

Wer genau liest, dem werden die Probleme vielleicht schnell auffallen: Auf der einen Seite werden alternative Diät-Ansätze (Ernährung wie in der Steinzeit) skeptisch abgetan und mit viel Stirnrunzeln betrachtet.

Auf der anderen Seite heißt es aber bei wuchtigen Gerichten immer gleich "Hurra, das Rezept des Tages ist wieder da". Und dann wundern sich dieselben Leute, warum wir in dieser Welt mit immer mehr Krebserkrankungen zu kämpfen haben... dann sind aber wieder die Regierungen schuld, nicht diejenigen, die Paleo schlecht reden und Kohlenhydrate toll finden.

image courtesy of marin / freedigitalphotos.net

Dass Kohlenhydrate erheblich zum Krebsrisiko beitragen, darüber habe ich schon intensiv berichtet. Aber am Schlimmsten sind doch diese ständigen Versuche der Medien, Diäten schlecht zu reden. Zum Beispiel heißt es zur Paleo-Diät:

Ohnehin ist es fraglich, ob man sich an einer Ernährungsweise von Menschen orientieren sollte, die körperlich wesentlich aktiver waren als die meisten heute, und von denen nur wenige überhaupt das 40. Lebensjahr erreichten.

Diese Aussage beinhaltet gleich zwei Ohrfeigen zum Preis von dreien. Zunächst einmal die Sache mit der Lebenserwartung. In der Steinzeit gab es viel mehr Tode bei Säuglingen, die medizinische Versorgung beschränkte sich auf Stammesrituale und der Säbelzahntiger wollte ja auch was essen. Es gibt unsagbar viele Gründe, warum man in der Steinzeit nicht besonders alt werden konnte. Wenn ein Mensch 80 geworden wäre und ein Säugling bei der Geburt gestorben wäre, ja, dann käme man auf ein Durchschnittsalter von 40. Typisch Statistik eben.

Die andere Ohrfeige ist dieses "Menschen, die körperlich wesentlich aktiver waren". Wir sollen uns nicht an Menschen orientieren, die sich mehr bewegt haben? Wie bitte? Das ist gleich doppelt falsch. Erstens leben doch gerade Sportler gesund und sind damit Vorbilder, und zweitens ist es ja gerade der Mangel an Bewegung, der dazu führt, dass Kohlenhydrate, die heute jeder isst, im Körper gespeichert werden und Fettverbrennung unmöglich machen.

Bei der Paleo-Diät muss man sich gar nicht bewegen, denn es ist bereits eine Low-Carb-Diät, die es wunderbar möglich macht, auf der faulen Haut zu sitzen, denn unnötige Kohlenhydrate werden beiseite gelegt. Und mit Sport (also mit "wesentlich aktiver" sein) klappt es noch besser. Aber nein, T-Online hält die Steinzeit-Ernährung für Blödsinn.

Warum ist getreidefreie Ernährung problematisch? Das einzig Wertvolle in Kohlenhydraten sind die Ballaststoffe. Die kann man aber in Samen und Kernen, in Nüssen, ja sogar in unzähligen Gemüsesorten vorfinden. Es ist nicht nötig, wie verrückt Vollkornbrot zu essen. Übrigens: Sobald man keine Verstopfung hat, ist bereits klar, dass man keinen Mangel an Ballaststoffen hat. Und mit dieser simplen Feststellung ist das Thema "Kohlenhydrate" für mich bereits erledigt!

Und dass der Mensch andere Bedürfnisse als in der Steinzeit hat, das halte ich für Quatsch. Wir Menschen reden uns das nur ein. In Wirklichkeit haben wir nämlich Bandscheibenvorfälle und Rückenschmerzen, weil wir unsere Nahrung nicht mehr selbst jagen. Weil wir faul geworden sind und maschinell produzierte Teigwaren essen, nicht mehr dankbar sein müssen für unser Essen und im Überfluss leben.

Die meisten Menschen ernähren sich nach wie vor hauptsächlich von Kohlenhydraten. Werden hauptsächlich von Low-Carb-Diäten abgeschreckt werden, und werden hauptsächlich Krebs bekommen mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit wie in den letzten 50 Jahren. Es wird hauptsächlich so bleiben, wie es ist, und Internet-Magazine werden weiterhin fröhlich zwischen Sensations-Journalismus (Krebserkrankungen steigen) und leckeren, zuckerhaltigen Rezepten in und her hüpfen.

Darf ich zwei Aussagen von oben einmal herumwerfen und in die aus meiner Sicht richtige Reihenfolge bringen? Bitte schön:

Krebsprognose 2025: Zahl der Neuerkrankungen könnte auf 20 Millionen steigen

Kohlenhydrate pro Portion: 70 Gramm (Jeden Tag, bis zum bitteren Ende)

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