Kann Man Beim Fahrradfahren Abnehmen?

Gestern gab es zwischen mir und meinem Bruder Markus folgende Unterhaltung:

Markus: Tja Michael, neulich ist da so eine übergewichtige Fahrradfahrerin auf der Straße lang gefahren, und die war so langsam, dass ich sogar im Gehen schneller war als sie.

Ich: Oh, das ist ja heftig.

Markus: Ich dachte mir, wenn man der sagen würde, dass sie einfach nur auf Kohlenhydrate verzichten müsste, und dass sie sich gar nicht die Mühe machen müsste, dann wäre es für sie viel einfacher.

Ich: Wenn du sie angesprochen hättest, dann wäre sie wahrscheinlich beleidigt gewesen, weil sie gedacht hätte, du wärst nur einer dieser schlanken Menschen, die einem Dicken einen gut gemeinten Ratschlag geben wollte. Dabei hast du das ja selbst erlebt, was man dir aber nicht mehr ansieht.

Markus: Ja, genau. Ich habe inzwischen 60 Kilo verloren, indem ich auf der Couch gesessen bin. Aber die Leute mühen sich weiter ab.


Image courtesy of antpkr / freedigitalphotos.net


Dieses Gespräch hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wir leben in einer Welt voller Scharlatane, die einem Diät-Programme verkaufen, die ständig mit neuen Ideen aufwarten, die ständig die neuste Crash-Diät aus Hollywood präsentieren. Und die verzweifelten Dicken fressen denen aus der Hand.

Doch wenn jemand um die Ecke kommt und den kostenlosen Tipp geben möchte "Lassen Sie die Kohlenhydrate weg", dann bekommt er entweder einen bösen Blick zurück, der Ratschlag ist nicht amtlich genug oder es wird auf Zeitschriften verwiesen, die besagen, das sei ungesund.

Beim Fahrradfahren ist es ähnlich: Die Leute glauben immer noch fest daran, dass sie ihr Gewichtsproblem von der Ernährung loskoppeln können. Dass sie durch Anstrengung, durch Leiden und Mühen ausbrechen können aus dem Teufelskreis. Sie denken, dass eine große sportliche Anstrengung durch Radeln zu einer erhöhten Energiebilanz führt, und dass man dann noch etwas weniger Kalorien essen muss, damit es reicht. 

Dann kommt der große Fehler: Weil man ja mit dem Fahrrad viel Sport macht, verzichtet man zwar auf Schokoriegel, weil ja sonst die ganze Radtour umsonst gewesen wäre, aber man greift stattdessen zu Banane, Traubensaft, Orangensaft oder sonst irgendwelchen angeblich gesunden Lebensmitteln. Man fühlt sich anfangs wohl, meint, man sei auf dem richtigen Weg. Die Zufriedenheit rührt auch daher, dass eben genau diese Lebensmittel ebenfalls viel Zucker enthalten... so gesehen vermisst man den Schokoriegel vielleicht gar nicht so sehr.

Man radelt und radelt unentwegt und kämpft sich bestenfalls eine ganze Woche durch. Der inspirierende Gedanke: Wenn ich am Sonntag morgen auf der Waage stehe, wird es sich lohnen, und das wird mich dann eine weitere Woche motivieren, Fahrrad zu fahren.

Dann kommt die böse Überraschung. Nur ein halbes Kilo runter. Oder gar nichts runter. Oder genauso viel wie zuvor ohne Bewegung.

Danach geht man ins Internet, in irgendein Forum oder eine Facebook-Seite und teilt allen sein Leid mit. Dann kommen folgende Kommentare:

  • Am Anfang baust du ja viel Muskeln durch Fahrradfahren auf. Muskeln sind schwerer als Fett, deswegen zeigt die Waage das gleiche Gewicht an.
  • Du musst dich eben noch gedulden. Die Fettverbrennung dauert x Wochen, bevor sie richtig gut läuft.
  • Iss weniger Fett
  • Trinkst du auch genug?
  • Auf Dauer muss es eigentlich klappen, wenn du einen Kaloriendefizit hast.
  • Ist schon richtig, was du machst, denn ohne Sport kann man GAR NICHT abnehmen.

Bei diesen Tipps handelt es sich jedoch oft um Halbwahrheiten und Stammtischgerede. Das mit den Muskeln ist ein oft genanntes Argument, was jedoch aus der Distanz - als Ferndiagnose - nicht besonders hilfreich ist. Deswegen empfehle ich immer die Körperfettwaage, weil man daran erkennt, ob man viel Muskelmasse aufgebaut hat.

Dass die Fettverbrennung erst nach einigen Wochen richtig läuft, stimmt manchmal, aber aus vollkommen anderen Gründen. Wer Kohlenhydrate weglässt, der baut tatsächlich nach und nach fettverbrennende Enzyme, die erst nach Wochen oder Monaten den Höchststand erreichen. Wer sich aber immer gleich ernährt, nämlich vorwiegend von Kohlenhydraten, der wird auch genau diese hauptsächlich verbrennen und beim nächsten Essen wieder zuführen.

Das Argument mit dem Fett ist steinalt. Und Quatsch. Fett ist gerade gut, nämlich zur Sättigung und als Brennstoff, den der Körper ja zu verbrennen lernen soll! Es sind eben die Kohlenhydrate, die weg müssen.

Genug trinken, na gut, das sollte man. Ist aber auch nicht die Lösung aller Probleme. Und das Kaloriendefizit ist oft auch Unsinn, denn Kalorien aus Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten werden vollkommen unterschiedlich genutzt, das ist wie Tag und Nacht. Und die letzte Aussage hat mein Bruder widerlegt: 60 Kilo verloren ohne Sport. Er hat mehr verloren, als meine Frau wiegt.


Kann man beim Fahrradfahren abnehmen? 



Na klar. Aber wie mein Bruder schon sagte: "Einfach nur auf Kohlenhydrate verzichten" kann schon helfen.

Mein Tipp: Erstmal eine Diät machen, bei der man den Erfolg schon ohne großen Mühen feststellt. Wenn die Motivation es dann hergibt, bitte: Radeln und noch schneller abnehmen. Aber bitte nicht voll motiviert aufs Fahrrad steigen, losfahren, und sich dann wundern, wenn man nicht abnehmen kann, weil man seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.


Eine Anekdote zum Schluss



Übrigens: Dieser Gedanke von harter Arbeit, die einen belohnen soll, erinnert mich sehr stark an die Wirtschaft. An Altenpfleger auf der einen Seite und Börsenmakler auf der anderen Seite. Die Altenpfleger (Schornsteinfeger, Dachdecker etc.) schuften sich ab, arbeiten wirklich hart und haben viel Respekt verdient. Der Börsenmakler macht ein paar Klicks mit der Maus und hat an einem Tag das Jahreseinkommen der "Arbeiter" bereits verdient. 

Bevor man jetzt über Gerechtigkeit nachdenkt, nur dies: Der Börsenmakler weiß etwas, was andere Leute nicht wissen. Ob sie es nicht wissen können, weil sie nicht klug genug sind, kein Geld für eine gute Qualifikation hatten oder die Eltern sie nicht auf die richtige Schule geschickt haben, man weiß es nicht. Aber beim Abnehmen gibt es diese Barrieren nicht. Da ist arm und reich unwichtig. Da kann jeder Erfolg haben, wenn er sich über die "breite Masse" erhebt und auch mal etwas anders machen will!

Kommentare:

  1. Hallo, es ist ja wirklich super was du da hinbekommen hast, ich finde deinen Blog toll und verfolge ihn schon länger. Es gibt wirklich viele verschiedene Produkte und man kann sich manchmal nur schwer entscheiden, bis man wirklich das richtige gefunden hat. Ein großes Lob von mir! Hast du evtl. noch einen Tipp für mich wie ich vom Sportmuffel zum Sportler werde?

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    1. Hallo Elias,

      freut mich, dass du meinen Blog magst.
      Ich bin selber eher ein Sportmuffel, aber was ich feststelle ist, dass es Sportarten gibt, die sich quasi von ganz alleine erledigen und bei denen man gar nicht merkt, dass es eigentlich Sport ist. Das ist dann eher schon Spiel.
      Für die einen ist es Fußball, für andere Volleyball oder Badminton oder vielleicht doch Schwimmen. Gerade Mannschaftssportarten sind da ganz praktisch. Vielleicht ist das ein Weg für dich. Manchmal ist eben nicht stures Joggen der Weg, sondern eine Sportart zu finden, die Spaß macht.
      Zumindest kommt mir diese Idee immer häufiger.

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  2. Ich bin selbst Low Carb Anfängerin und muss einer Sache widersprechen: Low Carb ist bei "ärmeren" Menschen schwierig, da es schon sehr ins Budget geht. Ich erfahre es gerade am eigenen Leib. Ich lebe dzt. am Existenzminimum und habe gerade mit Low Carb begonnen. All diese Lebensmittel, die man für die Diät "braucht" (Eiweißpulver, Eiweißmehl bzw. Mandelmehl, Kokosmehl, Xucker,..usw.usw.) sind nicht gerade günstig. Ich habe diesen Monat schon viel zu viel ausgegeben (mehr als ich bei meinem Budget dürfte!), nur um mir eine Brot-Alternative (Low Carb Brot) zu backen bzw. um ein paar Low Carb Rezepte auszuprobieren. Fleisch und Fisch sind ja auch nicht gerade die billigsten ;-) Also für arm und reich kann man nur bedingt sagen.

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    1. Hallo,

      ja, da ist was dran. Wenn man all diese speziellen Lebensmittel haben möchte, reicht das Budget wirklich nicht.

      Ich habe mich von deinem Kommentar inspirieren lassen, selbst mal darüber nachzudenken, wie man low carb doch für ärmere Menschen umsetzen kann. Ich denke schon, dass es geht, deswegen schreibe ich demnächst einen Artikel darüber. Danke für die Rückmeldung!

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  3. Prinzipiell - d.h. was Sport/ Carbs / Abnehmen betrifft, bin ich völlig auf Deiner Seite. was mir aber an dem Gespräch zwischen Dir und Deinem Bruder am Anfang sauer aufstößt: wer sagt, dass die übergewichtige Fahrradfahrerin aus Abnehmgründen Rad fährt? Sie kann a) Spass an der Bewegung haben b) ihrer Gesundheit was Gutes tun wollen (Kondition schadet nie jemandem) c) das Fahrrad - so wie ich, sowohl zu meinen dicken Zeiten als auch jetzt in etwas dünner - einfach als Fortbewegungsmittel verwenden! Ich finde es arg, allen übergewichtigen Menschen immer nur einen Beweggrund zu unterstellen.
    Ansonsten: Danke f Deinen - hilfreichen - Blog! lg Doris

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